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Geschichte

Die deutsche Wiedervereinigung

Informationstagung zur Einführung ins Lebensmittelrecht
Nachdem sich Anfang 1990 die Wiedervereinigung durch den Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland abzeichnete, begann der BLL Kontakte zu Behörden und anderen „einschlägigen“ Institutionen im neuen Teil Deutschlands zu knüpfen.

Schon Mitte April veranstaltete er gemeinsam mit dem Ministerium für Gesundheit und Sozialwesen der ehemaligen DDR eine Informationstagung „Einführung in das Lebensmittelrecht der Bundesrepublik unter Berücksichtigung der Vollendung des EG-Binnenmarktes“.
Ort der Veranstaltung war das Tagungszentrum eines Sportclubs der damaligen Hauptstadt. Knapp 70 Teilnehmer aus allen Bereichen der Lebensmittelüberwachung sowie aus Ministerien der Neuen Bundesländer, von der Humboldt-Universität und einer Reihe weiterer Institutionen zeigten ein großes Interesse an der lebensmittelrechtlichen Entwicklung in der Bundesrepublik und in der Europäischen Gemeinschaft, wobei zum Teil bemerkenswerte Vorkenntnisse festgestellt wurden. Neben Referenten aus dem BLL-Mitgliederkreis haben sich hochrangige Beamte des niedersächsischen Ernährungsministeriums in die Tagung eingebracht.
So groß das fachliche Interesse an der Veranstaltung war, so unübersehbar waren jedoch gewisse Berührungsängste im „sozialen Umgang“. Nur schleppend entwickelten sich Gespräche in den Pausen; zu Beginn tranken die „Ossis“ und „Wessis“ ihren Kaffee in getrennten Gruppen. Auch sollte nicht verschwiegen werden, dass die Referenten aus dem Westen froh waren, im „heimischen“ West-Berlin übernachten zu dürfen.

Das Rote Rathaus


Zwei Erfahrungen im Zusammenhang mit dieser Veranstaltung verdienen noch der besonderen Erwähnung. Zur Vorbereitung traf sich der BLL mit Repräsentanten des Ministeriums für Gesundheits- und Sozialwesen. Als Treffpunkt wurde die Straße vor dem Roten Rathaus genannt, was damit erklärt wurde, dass man „an der freien Luft“ freier miteinander reden könne. Wie sich erst hinterher herausstellte, befand sich nämlich im Gebäude des Ministeriums in der Nähe des Alexanderplatzes eine Dienststelle der Staatssicherheit. So fand die Besprechung zunächst unter freiem Himmel statt, bevor sie im Ratskeller des Roten Rathauses bei einem Mittagessen fortgesetzt wurde. So sehr dieses Erlebnis einer gewissen Skurrilität nicht entbehrte, so ernst und in gewisser Weise auch bedrückend war die Erkenntnis, dass von den 70 Teilnehmern der Tagung nach der Wiedervereinigung nur ganz wenige ihre Funktionen in der Verwaltung der neuen Bundesländer behielten. Auch dies war ein Beispiel für den Umbruch und für die Verwerfungen, die ein derart radikaler staatlicher, politischer und gesellschaftlicher Systemwechsel mit sich bringt.

Viele Anfragen aus den neuen Bundesländern


In der Folgezeit war der BLL tagtäglich mit einer Vielzahl von Anfragen aus Unternehmen und Institutionen der Neuen Bundesländer befasst. Zeitweise wurde sogar erwogen, in Berlin eine BLL-Beratungsstelle für Unternehmen und Verbände aus der ehemaligen DDR einzurichten. Dies hatte sich jedoch rasch erübrigt, zumal die Versuche, ein eigenes Verbändewesen der Ernährungswirtschaft in diesem Gebiet aufzubauen, scheiterten. Die Verbände wurden in die entsprechenden Branchen-Organisationen der Bundesrepublik integriert, bzw. Unternehmen aus den neuen Bundesländern schlossen sich direkt den „West“-Verbänden an.

Abweichende Standards?


Eine große Sorge trieb die westdeutschen Behörden und auch die Wirtschaft im Hinblick auf möglicherweise stark abweichende Standards um. Es wurde eine große Belastung der Rohstoffe aus dem Gebiet der DDR durch Umweltverschmutzung befürchtet. Es zeigte sich aber, dass diese Befürchtungen zum Glück unbegründet waren.
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