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Geschichte

Die Zukunft unserer Lebensmittel liegt in ihrer Ursprünglichkeit

Gastworte von Karin Binder, MdB, Ernährungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE
60 Jahre BLL verdienen einen Rückblick. Im Gründungsjahr 1955, zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, hatte Deutschland die Mangeljahre überwunden. Erstmals konnten Menschen sich wieder so ernähren, wie sie es sich wünschten. Die damalige Aufbruchsstimmung spiegelte sich auch in neuen Essgewohnheiten wider.

Neben gehaltvollen Grundnahrungsmitteln gewannen langsam auch hochwertige Fleisch- und Fischwaren an Bedeutung. Margarine wurde zum Trendprodukt. Der Obstverzehr verdoppelte sich im Vergleich zu den 1930er Jahren. Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft war Heinrich Lübke, der spätere Bundespräsident. Er forderte 1954 von den Fleischern die Preise zu senken, um die Nachfrage zu erhöhen. Jeder sollte sich „ein Stück Fleisch“ leisten können.

Heute, 60 Jahre später, verbreitet sich die Ansicht, wir hätten vielleicht zu viel Fleisch auf dem Teller. Die Politik diskutiert über „Billigfleisch“, „Dumpinglöhne“ in der Fleischindustrie und „Gammelfleisch“-Skandale. Das Stück Fleisch kommt oft nicht mehr vom Bauern aus der Region und vom Schlachter um die Ecke. Es hat als Teil der globalen Warenkette einen weiten Weg hinter sich. Die Lebensmittelwirtschaft insgesamt hat sich enorm gewandelt. Wenige große Hersteller beliefern im Wesentlichen vier dominierende Einzelhandelsketten. Lebensmittel sind ohne Frage sicherer, aber auch unübersichtlicher geworden. Neue Risiken tauchen auf. Die EU-Kommission sorgt sich, dass Kinder und Jugendliche heute zu wenig Obst und Gemüse essen. Die ungesunde Entwicklung zu stark verarbeiteten Nahrungsmitteln mit hohen Zucker-, Fett- und Salzanteilen werde, so die Brüsseler Behörde, durch moderne Ernährungstrends verstärkt.

Nach 60 Jahren ist es also an der Zeit, eine Trendwende einzuleiten. Ich wünsche der Lebensmittelwirtschaft Mut zu mehr Ursprung, zu mehr Regionalität und zu mehr unverfälschter Natürlichkeit. Wir brauchen weder „Food-Design“ noch Vitaminzusätze in der Wurst. Der Weg vom Acker zum Teller sollte kurz und nachvollziehbar sein. Transparenz ist für den Verbraucher ein wichtiges Kriterium für seine Kaufentscheidung. Das fängt beim Tierfutter ohne Gensoja an und hört bei einer ehrlichen Lebensmittelkennzeichnung noch nicht auf. So wird es der Lebensmittelwirtschaft gelingen sich den guten Ruf zu schaffen und zu erhalten, den ihre Betriebe und ihre Beschäftigten verdienen.

Herzlichen Glückwunsch zum 60. Geburtstag!
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