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Geschichte

Früher war alles besser?

Prof. Dr. Ulrich Nöhle, Krisenmanager und Wirtschaftsmediator
Wer 60 Jahre alt wird, darf endlich sagen „Früher war alles besser!“ Ja – wie war es denn im Jahre 1955? Es wurde gegessen, was auf den Tisch kam – und das war wenig.

Kartoffeln, Erbsen, Karotten und Bohnen, manchmal Fisch. Fleisch gab es eher am Wochenende. Wenn der Vater Bananen „organisiert“ hatte, brach unter den Kindern helle Freude aus, denn jetzt gab es endlich wieder Milchreis mit Banane. Eingekauft wurde an einem Ort, den wir heute retrospektiv-mitleidig „Tante-Emma-Laden“ nennen. Die Milch wurde in der Flasche vom Milchmann vor die Tür gestellt und hielt sich zwei Tage, aber im Sommer nur einen Tag, denn für einen Kühlschrank reichte das Geld nicht. Tiefkühlkost war noch nicht erfunden und gekühlte Selbstbedienungstheken gab es auch nicht. Joghurt gab es im Glas, welches man aber zurück bringen musste. Und Pizza, Auberginen und Honigmelonen ? Was ist das denn?

Keine EU-Richtlinien und keine EU-Verordnungen, es galt das „gute alte LMG“, das Lebensmittelgesetz aus dem Jahr 1927, das der Unternehmer selbstredend auswendig kannte. Auf der Verpackung der Lebensmittel – sofern sie denn überhaupt vorverpackt waren – standen drei Angaben: Die Verkehrsbezeichnung, die Nennfüllmenge und der Hersteller. Das reichte tatsächlich zum (Über-)leben, kaum zu fassen.

Und heute? Mindesthaltbarkeitsdatum, Verbrauchsdatum, Losnummer, Genusstauglichkeitskennzeichen, Zutatenliste, Quantitative Ingredient Declaration, Nährwertangaben einschließlich Referenzmengen und Portionsgrößen, Herkunftsangaben, Kenntlichmachung der Allergene, Aufbewahrungshinweise, das Bio-Siegel, Verfahrenskennzeichnungen nebst gesundheitsbezogener Angaben begleitet von Serviervorschlägen und umrahmt von EAN-Strichcodes, Verpackungsmaterialkennzeichen, einem Grünen Punkt und, und, und. Das Ganze ist einschließlich Originalitätsverschluss aseptisch verpackt, an jeder Straßenecke erhältlich, fünfmal solange haltbar und gemessen an der Kaufkraft nur noch ein Fünftel so teuer wie im Jahre 1955.

Ich habe den Eindruck, alles ist komplizierter und komplexer geworden. Und irgendwie muss es früher einfacher gewesen sein. Aber zurück ins Jahr 1955 will ich natürlich auch nicht. Mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Lebensstandard...

Und zum naturwissenschaftlichen und rechtswissenschaftlichen Glück gibt es ja den BLL.
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