Startseite
Veranstaltung

Statt Geschmacks- und Rezeptvorgaben gemeinsam nach Lösungen suchen

Rückblick auf den traditionellen Bonner Empfang am 13. Januar 2017 in Bonn-Bad Godesberg
BLL-Präsident Stephan Nießner, Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz Barbara Klepsch und BLL-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff (v.l.n.r.) Vergrößern
Freiheit für Unternehmen und Konsumenten und gemeinsam nach Lösungen suchen – das waren die Wünsche der beiden Hauptredner des traditionellen Neujahrsempfangs des Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL) in Bonn, Barbara Klepsch, sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, und Stephan Nießner, Präsident des BLL.

Stephan Nießner setzte in seiner Ansprache eine klare Botschaft für den Kurs des BLL im Wahljahr 2017: „Wir fordern die Freiheit für Unternehmen und Konsumenten, aber auf der anderen Seite auch staatliche Fürsorge für die Rechte der Unternehmer!“ Letztere Forderung bezieht er vor allem auf die von Seiten einzelner Bundesländer und der Verbraucherministerkonferenz immer wieder diskutierte Veröffentlichung amtlicher Kontrollergebnisse im Wege eines Kontrollbarometers oder einer Hygieneampel. „Diese Pläne haben eine Pranger-Wirkung für Unternehmen. An die Ausgestaltung müssen daher hohe rechtstaatliche Anforderungen gestellt werden“, so Nießner. Dazu zähle er die Sicherstellung einer zeitnahen Routinekontrolle nach Beseitigung der festgestellten Mängel sowie vor allem eine zeitnahe öffentliche Rehabilitation.

BLL-Präsident Stephan Nießner bei seiner Ansprache


Mit Sorge sieht Präsident Nießner Tendenzen, die die Freiheit der Konsumenten zugunsten von mehr Verbraucherbevormundung und Verbraucherlenkung einschränken wollen. Werbeverbote und Strafsteuern seien für ihn der falsche Weg. „Die Antwort muss für mich sein, die Menschen stark zu machen, damit sie Freiheit leben können und ihrer Pflicht, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen, gerecht werden können“, mahnte Nießner. Der richtige Weg ist in seinen Augen, auf Transparenz und Bildung zu setzen. Er räumte ein, dass Informationen auf den Verpackungen vielleicht neu gedacht werden müssten, um tatsächlich an der Lebenswirklichkeit der Verbraucher anzusetzen. Einer „Ampel“ erteilte er jedoch eine klare Absage, da diese nicht die Freiheit des Verbrauchers stärke, sondern ihn lenke. Bei der Schulung von Ernährungskompetenz sieht Nießner neben den Schulen auch die Familien in einer besonderen Verantwortung. „Nur wenn den Kindern ein gesundes und ausgewogenes Essverhalten vorgelebt wird und wenn Kinder frühzeitig beim Kochen aktiv einbezogen werden, wird die Ernährungskompetenz entscheidend gestärkt“, betonte Nießner.

Ein weiterer Aspekt von Freiheit ist für Stephan Nießner die Absage an staatliche Geschmacks- und Rezeptvorgaben. Nießner wünscht sich hier ein Engagement der Verbraucherverbände: „Aktuelle Studien belegen, dass der Geschmack bei den Konsumenten Trumpf beim Kauf von Lebensmitteln ist. Ein Eingreifen des Staates geht also klar gegen Verbraucherinteressen“. Verbraucherverbände müssten sich hier für die Interessen der Verbraucher stark machen.

Die sächsische Staatsministerin und diesjährige Vorsitzende der Verbraucherschutzministerkonferenz (VSMK), Barbara Klepsch, stellte in ihrer Rede die Schwerpunkte der VSMK vor. Einer der Schwerpunkte wird die Lebensmittelsicherheit sein. Pragmatismus und schnelles, gemeinsames Handeln liegen der Ministerin dabei besonders am Herzen: „Am Beispiel der Pyrrolizidinalkaloide in Tee haben die Überwachungsbehörden der Länder und die Lebensmittelwirtschaft schon einmal demonstriert, dass sie pragmatisch und schnell auf Herausforderungen reagieren können. Ich möchte heute dafür werben, diesen Weg erneut zu gehen“, so Klepsch. Ein solches Vorgehen wünsche sie sich auch bei der Reduzierung von Mineralölrückständen.

Barbara Klepsch Vorsitzende der VSMK während ihres Vortrags auf dem Bonner Empfang 2017 des BLL


Ein weiterer Schwerpunkt des sächsischen Vorsitzes der VSMK wird die Verbraucherinformation sein. Sie erkennt an, dass viele Unternehmen in Deutschland bereits vor dem Stichtag am 13. Dezember 2016 die Nährwertkennzeichnung freiwillig umgesetzt haben. Allerdings würden verschiedene Ausnahmeregelungen, eine bessere Verbraucherinformation verhindern. Daher möchte sie hier den Dialog mit der Lebensmittelwirtschaft suchen.

Kernthema der kommenden Verbraucherschutzministerkonferenz wird die Digitalisierung sein. Hier ist laut Staatsministerin Klepsch beispielsweise der Online-Handel von Lebensmitteln auf der Agenda, der an Bedeutung zunehmen wird. Aus diesem Grund wird sie sich für eine Weiterentwicklung der vorhandenen rechtlichen Regelungen und der Kontrollstrukturen stark machen. „Deutschland ist mit der gemeinsamen Zentralstelle der Ländern beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bereits ein guter Start gelungen“, erläutert Klepsch. „Dennoch sind Überlegungen zur Weiterentwicklung des Systems notwendig. Wir werden uns mit der Frage befassen, wie die Aufklärung der Verbraucher über Risiken noch besser gelingt, die sich beim Lebensmitteleinkauf ergeben“, so Klepsch. Ein weiteres Ziel sei, die Online-Händler verstärkt auf ihre rechtlichen Verpflichtungen hinzuweisen.

Der vierte Schwerpunkt, den die Ministerin in ihrer Rede skizzierte, war das Thema interdisziplinäre Kontrollteams. Für sie liegen hier die Vorteile auf der Hand: „Kontrollen erfolgen zielgerichteter, tiefgreifender und unabhängig von möglichen Interessenkonflikten. Die überregionale Vergleichbarkeit wird verbessert. Das Vier-Augen-Prinzip wird gewahrt“, erläutert Klepsch. Bewährte Modelle in den Ländern möchte sie auf andere Bundesländer übertragen.

Der Bonner Empfang war der Auftakt der Neujahrsempfänge des BLL. Am kommenden Dienstag, dem 17. Januar, findet der Berliner Neujahrsempfang mit Gastredner Bundesminister Christian Schmidt statt.

Druckansicht
Artikel bewerten

Das könnte Sie auch interessieren:

  • Veranstaltung
    Übergewichtsprävention in Corona-Zeiten: Sozialstatus in den Blick nehmen, Angebote für Kinder und Jugendliche schaffen
    Rückblick auf den peb-Talk am 14. September 2020
  • Veranstaltung
    Fokus nicht nur auf unerwünschte Stoffe: Lebensmittel ganzheitlich bewerten
    Gemeinsame Tagung von Lebensmittelverband und AöL
  • Veranstaltung
    Brotbier und Insekten-Pancakes: Wie schmeckt die Zukunft?
    Rückblick auf die Grüne Woche 2020
  • Veranstaltung
    Bonner Empfang 2020: Europa muss zusammenstehen
    Jahresauftakt des Lebensmittelverbands in Bonn

Aktuell

  • Sicherheit

    Immer mehr Rückrufe bei Lebensmitteln: Was ist dran?

    Immer mehr Rückrufe bei Lebensmitteln: Was ist dran? Jedes Jahr liest man, es seien wieder mehr Lebensmittel zurückgerufen worden. 2019 waren es 236 Warnungen. Was steckt dahinter?
    Mehr ...
  • Hygiene

    Gastronomie im Lockdown: Behältnisse mitbringen möglich

    Gastronomie im Lockdown: Behältnisse mitbringen möglich Auch in Corona-Zeiten ist es grundsätzlich zulässig und möglich, eigene Behältnisse mitzubringen und befüllen zu lassen. Dabei ist es wichtig, die Regeln der Lebensmittelhygiene zu beachten.
    Mehr ...

Meistgelesen

  • Zusatzstoffe

    Liste der Zusatzstoffe und E-Nummern

    In diesem Artikel sind alle Zusatzstoffe mit E-Nummern aufgelistet, die Lebensmitteln zugesetzt werden dürfen.
    Mehr ...
  • Nährwertkennzeichnung

    Nutri-Score

    Der Nutri-Score ist ein System zur Kennzeichnung des Nährwertprofils eines Lebensmittels auf der Verpackungsvorderseite mit Buchstaben und Ampelfarben, auf Basis eines Bewertungsalgorithmus.
    Mehr ...
  • Kennzeichnung

    Lebensmittelinformations-Verordnung

    Die LMIV stellt sicher, dass die Hersteller europaweit einheitliche und klare Vorgaben zur Kennzeichnung haben und dass Verbraucher beim Lebensmittelkauf umfassend informiert werden.
    Mehr ...
zum Lebensmittelmagazin

Noch mehr zu Lebensmitteln & Ernährung: Besuchen Sie unser Online-Magazin lebensmittelmagazin.de

Zum Magazin ...

Presse Presse

  • Pressemitteilung

    Statement des Arbeitskreises Nahrungsergänzungsmittel (AK NEM) zu COVID-19

    Der Arbeitskreis Nahrungsergänzungsmittel im Lebensmittelverband Deutschland distanziert sich von unseriösen Produkten, die mit verbotenen krankheitsbezogenen Angaben zu COVID-19 beworben werden.

    Mehr ...

Veranstaltungen Veranstaltungen

  • 16.03.2021

    ILWI-Grundlagenseminar zum Lebensmittelrecht 2021

    Das Grundlagenseminar gibt einen Überblick über die wichtigsten nationalen und europäischen Bestimmungen des Lebensmittelrechts.
    Mehr ...

Publikationen Publikationen

  • Lebensmittel-Kennzeichnung verstehen

    Lebensmittel-Kennzeichnung verstehen Erklärung der Angaben auf der Verpackung (Zutaten, MHD, Menge und mehr).
    Download PDF
  • Neue Leitsätze für vegane und vegetarische Lebensmittel

    Neue Leitsätze für vegane und vegetarische Lebensmittel Dokumentation mit Vorträgen und Fragen-Antworten-Katalog
    Download PDF
  • Nahrungsergänzungsmittel – die wichtigsten Fakten

    Nahrungsergänzungsmittel – die wichtigsten Fakten Informationen zu Nutzen, rechtlichen Vorgaben, Kennzeichnung und Sicherheit.
    Download PDF
  • 10 Fragen & Antworten zum MHD

    10 Fragen & Antworten zum MHD Informationen zur Kennzeichnung der Haltbarkeit.
    Download PDF
  • Merkblatt „Pool-Geschirr“ - Hygiene beim Umgang mit Mehrweggeschirren innerhalb von Pfand-Poolsystemen (PDF-Dokument)

    Merkblatt „Pool-Geschirr“ - Hygiene beim Umgang mit Mehrweggeschirren innerhalb von Pfand-Poolsystemen (PDF-Dokument)
    Download PDF
  • Merkblatt „Mehrweg-Behältnisse - Hygiene beim Umgang mit kundeneigenen Behältnissen (PDF-Dokument)

    Merkblatt „Mehrweg-Behältnisse - Hygiene beim Umgang mit kundeneigenen Behältnissen (PDF-Dokument)
    Download PDF
  • MERKBLATT „Coffee to go“-Becher

    MERKBLATT „Coffee to go“-Becher Hygiene beim Umgang mit kundeneigenen Bechern zur Abgabe von Heißgetränken
    Download PDF
Facebook Twitter LinkedIn Youtube Instagram RSS-Feed