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BLL-Konferenz: "Food Supplements in Europe - Challenges for the Future"

20.-21.09.2005
, Berlin
am 20. und 21. September 2005 in Berlin

Vertreter von mehr als 20 Mitgliedstaaten der Europäischen Union und den EU-Beitrittsländern diskutierten am 20. und 21. September 2005 mit der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament sowie Gästen aus Wissenschaft, Lebensmittelüberwachung, Verbraucherorganisationen und der Wirtschaft Ideen und Ansätze für die zukünftige Handhabung von Nahrungsergänzungsmitteln in Europa.

Im Mittelpunkt standen Vorschläge für europäische Ansätze für die Festsetzung von Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe, die Substantiierung von Health Claims sowie die Bewertung von Pflanzen und Pflanzenextrakten sowie (isolierten) Pflanzeninhaltsstoffen. Die Diskussionen sind auch von globaler Bedeutung, denn europäische Ansätze sind vor allem für jene 50 Staaten von Relevanz, die derzeit einen rechtlichen Rahmen für Nahrungsergänzungsmittel schaffen.

Veranstalter der Konferenz war der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. (BLL) zusammen mit den internationalen Verbänden IADSA (International Alliance of Dietary / Food Supplement Associations), ERNA (European Responsible Nutrition Alliance) und EHPM (European Federation of Associations of Health Products Manufactureres).

Richtlinie über Nahrungsergänzungsmittel rechtmäßig


In der Diskussion um den rechtlichen Rahmen für Nahrungsergänzungsmittel hob Basil Mathioudakis (DG SANCO der Europäischen Kommission) die Bedeutung der Entscheidung des Europäischen Gerichts hervor. Er hatte die Richtlinie 2002/46/EG über die Angleichung der Rechtsvorschriften von Nahrungsergänzungsmitteln für rechtmäßig erklärt. Vorausgegangen waren Einwände, dass u. a. das Verfahren zur Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen in die Positivlisten nicht hinreichend transparent sei und gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoße.

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Herr Mathioudakis berichtete von einer sehr großen Anzahl von Anträgen zur Zulassung von bislang nicht in den Positivlisten aufgeführten Vitaminen und Mineralstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln. Von 710 Anträgen – die meisten davon aus Großbritannien – seien 410 zur Prüfung an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) weitergeleitet worden.

Modelle zur Ableitung von Höchstmengen erörtert


Höchstmengen von Vitaminen und Mineralstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln sollen zum einen den freien Warenverkehr sicherstellen sowie zum anderen dem Schutz des Verbrauchers dienen. Sie sollen die Gewähr dafür bieten, dass der normale Gebrauch der Erzeugnisse sicher ist. Zu diesem Zweck sind in der Richtlinie über Nahrungsergänzungsmittel Kriterien benannt, die bei der Ableitung der Höchstmengen berücksichtigt werden sollen. Dies sind:
  • die sicheren Höchstmengen, die durch eine wissenschaftliche Risikobewertung ermittelt werden (z. B. Tolerable Upper Intake Level, UL der EFSA)
  • die Zufuhr der Nährstoffe aus anderen Quellen der Ernährung sowie
  • die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr.


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Vor diesem Hintergrund erläuterte Frau Prof. Hildegard Przyrembel (Bundesinstitut für Risikobewertung und Mitglied des wissenschaftlichen Gremiums NDA der EFSA) die Risikobewertung der EFSA. 35 Gutachten über die Sicherheit verschiedener Vitamine und Mineralstoffen habe die Behörde nun erstellt, in 16 Fällen sei ein Tolerable Upper Intake Level (UL) festgelegt worden. Der UL ist die Menge, die auch bei täglicher und langfristiger Aufnahme nicht mit einem Risiko für nachteilige Wirkungen verbunden ist. Frau Prof. Przyrembel stellte heraus, dass die Festsetzung eines UL immer das bestmögliche Urteil zu einer gegebenen Zeit darstellt. Dabei basiere die Risikobewertung von Vitaminen und Mineralstoffen in vielen Fällen auf eine nicht ausreichende und nicht systematische Sammlung von Daten – Risikobewertung ist daher immer im Fluss.

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Albert Flynn, Professor an der Universität in Cork (Irland) und Mitglied des EFSA Gremiums für Ernährung und diätetische Lebensmittel, präsentierte Modelle für Höchstmengen. Er stellte das ILSI Modell für Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe bei angereicherten Lebensmitteln und das ERNA/EHPM Risiko-Management-Modell für Nahrungsergänzungsmittel vor. Dabei liegt beiden Modellen ein gemeinsamer Ansatz zugrunde: Vitamine und Mineralstoffe können anhand der Wahrscheinlichkeit und des Schwergrades für nachteilige Wirkungen in verschiedene Risikogruppen eingeteilt werden. Das polnische nationale Institut für Ernährung und Lebensmittel stellte Höchstmengen unter Anwendung des ERNA/EHPM-Modell mit polnischen Verzehrsdaten vor.

Frau Dr. de Boer (TNO, Belgien) und Frau Claudia Krines (ttz Bremerhaven) öffneten mit der Vorstellung der europäischen Verbundprojekte EFCOVAL bzw. EuroFIR den Blick für eine europäische Perspektive der Erhebung von Verzehrsdaten und der Verwendung von Lebensmitteldatenbanken.

Health Claims: Anzeigeverfahren und Substantiierung von Claims im Fokus der Diskussion


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Eine gleichermaßen lebhafte wie anregende Podiumsdiskussion unter dem Vorsitz von Frau Dagmar Roth-Behrendt, Vize-Präsidentin des Europäischen Parlaments, beleuchtete zentrale Themen der angedachten europäischen Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben. Im Fokus des Vortrags von Patrick Coppens, Generalsekretär ERNA, stand das Anliegen, das bislang vorgesehene zeitaufwändige Zulassungsverfahren durch ein Anzeigeverfahren zu ersetzen. Prof. David Richardson ging der Frage nach, welche Anforderungen an die wissenschaftliche Basis von Health Claims zu stellen sind. Besondere Erwähnung fand hier das von PASSCLAIM-Projekt. Er hob des Weiteren hervor, dass der erforderliche Grad des Nachweises verhältnismäßig sein muss.

Einen beachtenswerten Ansatz zur Erstellung einer Liste allgemein anerkannter gesundheitsbezogener Angaben nach Artikel 12 des Verordnungsvorschlags zeigte der Niederländer Theo van Rooij auf. Im Vordergrund dieser Liste stehen dabei Nährstoff-Wirkungs-Beziehungen, nicht dagegen bereits explizit ausformulierte gesundheitsbezogene Angaben. Der Entwurf dieser Liste ist durch die gemeinsamen Bemühungen der interessierten Gruppen in den Niederlanden entstanden. Er steht derzeit zur Diskussion.

Sonstige Stoffe in Nahrungsergänzungsmittel: Diskussionen noch am Anfang


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Professor Anton, der federführend die Arbeit einer Arbeitsgruppe innerhalb des Council of Europe zur Sicherheit von Botanicals in Nahrungsergänzungsmitteln begleitet, stellte seinen Ansatz zur Bewertung dieser Stoffe vor. Dr. Derek Shrimpton präsentierte ein alternatives Modell zur Bewertung der Sicherheit von anderen Substanzen als Vitaminen und Mineralstoffen - das Konzept des "Observed Safety Level" (OSL). Dies könne dann Anwendung finden, wenn die Datenlage zur Ableitung eines NOAEL nicht ausreicht. Die durch die Vorträge angeregten Diskussionen machten deutlich, dass die Debatte über die Bewertung dieser Stoffe und mögliche Optionen der Regulierung erst gerade begonnen hat.

Zusammenarbeit und Dialog sind essenziell


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In seiner Ansprache unterstrich Professor Matthias Horst, Hauptgeschäftsführer des BLL, die großen Errungenschaften des europäischen Lebensmittelrechts und er betonte die Bedeutung der EFSA für eine einheitliche Risikobewertung in Europa. Herr Bernhard Kühnle erläuterte aus der Sicht des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft notwendige Ansätze. Dr. Gert Krabichler, Chairman ERNA, erinnerte an den europäischen Gedanken und rief Entscheider aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft zur Zusammenarbeit auf. Dr. Martina Hagen, Vorsitzende des Arbeitskreises Nahrungsergänzungsmittel im BLL fasste zusammen: "Diese Konferenz hat gezeigt, dass der Dialog aller Partner Wege zu pragmatischen Ansätzen für Europa aufzeigen kann".

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Ein ausführlicher Konferenzbericht in englischer Fassung steht zum Download bereit.


Weitere Informationen:
www.ehpm.org
www.erna.org
www.iadsa.org

Bilder: Copyright, BLL 2005

Veranstaltungsbeginn

20.09.2005

Ort

Berlin
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