Startseite
Unerwünschte Stoffe

Chlorat

Chlorat-Funde in pflanzlichen Lebensmitteln
Untersuchungen des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes (CVUA) in Stuttgart mit einem neuen Analysenverfahren haben ergeben, dass pflanzliche Lebensmittel das Salz Chlorat (chemisch: ClO3-) enthalten können. Chlorat ist ein typisches Desinfektionsnebenprodukt. Es entsteht zum Beispiel, wenn Trinkwasser während der üblichen Trinkwasseraufbereitung mit chlorhaltigen Mitteln (z. B. Natriumhypochlorit) behandelt wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Risikobewertung für Chlorat in Trinkwasser durchgeführt und einen vorläufigen Richtwert von 0,7 mg/L festgesetzt. Dies bedeutet, dass laut WHO täglich 2 Liter Wasser mit einem Chlorat-Gehalt von 0,7 mg/L ohne negative gesundheitliche Folgen von Menschen getrunken werden können.

Das CVUA Stuttgart hat in der überwiegenden Zahl der untersuchten Proben von pflanzlichen Lebensmitteln Chlorat-Gehalte deutlich unter 0,1 mg pro Kilogramm Lebensmittel nachgewiesen (der Median für die untersuchten Proben liegt bei 0,023 mg/kg); in einzelnen Proben wurden jedoch auch Chlorat-Gehalte bis 2,7 mg/kg (Koriander aus Kambodscha) gefunden. Nach einer ersten Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) besteht kein chronisches Risiko für die Verbraucher beim Verzehr der untersuchten Lebensmittel. In einzelnen Fällen hält das BfR ein akutes Risiko jedoch für möglich (hoher Chlorat-Gehalt bei hoher Verzehrsmenge).

Die deutsche Lebensmittelwirtschaft ist sich ihrer hohen Verantwortung für die Sicherheit und Qualität von Lebensmitteln bewusst. Da die Ursachen für Chlorat-Gehalte in pflanzlichen Lebensmitteln bislang auf Annahmen beruhen und bestimmte Funde noch nicht schlüssig erklärt werden konnten, hat die deutsche Lebensmittelwirtschaft begonnen, mögliche Eintragsquellen für Chlorat in Lebensmittel zu überprüfen und den Übergang von Chlorat aus Wasser auf Lebensmittel zu untersuchen. Sie steht dazu mit den zuständigen Behörden in Deutschland in engem Austausch.

Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass Chlorat bei pflanzlichen Lebensmitteln ganz unterschiedlicher Herkunft nachgewiesen wurde. Die Behandlung von Trinkwasser mit chlorhaltigen Mitteln ist ein weltweit verbreitetes Verfahren. Nicht nur Deutschland, sondern alle Länder dieser Welt und auch unterschiedliche Rechtsbereiche sind also von dieser Thematik betroffen. Aus diesem Grunde fordert die deutsche Lebensmittelwirtschaft eine Bündelung der Aktivitäten der unterschiedlichen betroffenen Fachgebiete auf nationaler Ebene sowie ein einheitliches Vorgehen auf europäischer und globaler Ebene.

Schließlich darf bei der Diskussion über den Umgang mit Chlorat-Gehalten in pflanzlichen Lebensmitteln die grundsätzliche Anforderung des Gesetzgebers an Lebensmittelunternehmen nicht unberücksichtigt bleiben, nämlich die Gewährleistung der Herstellung von Lebensmitteln, deren Verzehr für den Verbraucher sicher ist. Dazu ist auch dem Erfordernis einer einwandfreien Produktionshygiene von den Lebensmittelunternehmern angemessen Rechnung zu tragen.

Stand:
11.03.2014


Die Stellungnahme finden Sie hier als PDF-Dokument zum Download:
Stellungnahme "Chlorat-Funde in pflanzlichen Lebensmitteln" (März 2014)
Druckansicht
Artikel bewerten

Aktuell

  • Kennzeichnung

    Umfrage zu Nährwert-Label: Nutri-Score fällt bei deutschen Verbrauchern durch

    Umfrage zu Nährwert-Label: Nutri-Score fällt bei deutschen Verbrauchern durch Das Institut Allensbach hat die deutsche Bevölkerung repräsentativ zur Verständlichkeit von zwei Nährwert-Labels befragt. Dabei unterliegt der Nutri-Score klar dem Modell des Lebensmittelverbands.
    Mehr ...
  • Hygiene

    „Coffee to go“ in mitgebrachten Bechern: Merkblatt zur Hygiene veröffentlicht

    „Coffee to go“ in mitgebrachten Bechern: Merkblatt zur Hygiene veröffentlicht Für den Umgang mit mitgebrachten Coffe-to-go-Bechern gibt der Lebensmittelverband ein Merkblatt heraus. Dieses ist nun in der 2. Auflage veröffentlicht.
    Mehr ...

Meistgelesen

  • Zusatzstoffe

    Liste der Zusatzstoffe und E-Nummern

    In diesem Artikel sind alle Zusatzstoffe mit E-Nummern aufgelistet, die Lebensmitteln zugesetzt werden dürfen.
    Mehr ...
  • Kennzeichnung

    Lebensmittelinformations-Verordnung

    Die LMIV stellt sicher, dass die Hersteller europaweit einheitliche und klare Vorgaben zur Kennzeichnung haben und dass Verbraucher beim Lebensmittelkauf umfassend informiert werden.
    Mehr ...
  • Nahrungsergänzung

    Gesetzliche Regelungen für NEM

    Verbraucher können ihr jeweils passendes Nahrungsergänzungsmittel aus einer großen Vielfalt legaler, sicherer, hochwertiger Produkte auswählen. Dafür sorgen gesetzliche Regelungen. Hier die wichtigsten.
    Mehr ...
zum Lebensmittelmagazin

Noch mehr zu Lebensmitteln & Ernährung: Besuchen Sie unser Online-Magazin lebensmittelmagazin.de

Zum Magazin ...

Presse Presse

  • Pressemitteilung

    Klimapaket der Bundesregierung: Lebensmittelwirtschaft engagiert sich für Klimaschutz

    Philipp Hengstenberg, Präsident des Lebensmittelverbands Deutschland, begrüßt es sehr, dass die Bundesregierung dem Thema Klimaschutz die notwendige Bedeutung beimisst und entsprechende Maßnahmen vorlegt.
    Mehr ...

Positionen Positionen

  • Nahrungsergänzung

    Nahrungsergänzungsmittel müssen sicher sein!

    Der AK NEM distanziert sich von den in Beiträgen des Reporterteams Claudia Butter und Philipp Reichert gezeigten unseriösen und illegalen Praktiken.
    Mehr ...

Publikationen Publikationen

  • Nahrungsergänzungsmittel – die wichtigsten Fakten

    Nahrungsergänzungsmittel – die wichtigsten Fakten Informationen zu Nutzen, rechtlichen Vorgaben, Kennzeichnung und Sicherheit.
    Download PDF
  • Lebensmittel-Kennzeichnung verstehen

    Lebensmittel-Kennzeichnung verstehen Erklärung der Angaben auf der Verpackung (Zutaten, MHD, Menge und mehr).
    Download PDF
  • 10 Fragen & Antworten zum MHD

    10 Fragen & Antworten zum MHD Informationen zur Kennzeichnung der Haltbarkeit.
    Download PDF
Facebook Twitter LinkedIn Youtube Instagram RSS-Feed