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Pressemitteilung

Strategien für die Ernährung von morgen

Berlin, 07.11.2006 -
Immer mehr Deutsche leiden unter Übergewicht. Dies bedeutet nicht nur erhöhte Gesundheitsrisiken für die Betroffenen, sondern auch erhebliche Folgekosten für die Gesellschaft. Auf dem Kongress „Lebensmittel & Ernährung der Zukunft – Produkte -• Verbraucher -• Märkte“ werden interdisziplinäre und gesamtgesellschaftliche Ansätze diskutiert, mit denen eine ausgewogene Ernährung nachhaltig erreicht werden kann. Träger des Kongresses sind die Plattform Ernährung und Bewegung e. V. (peb), das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL).

Das Lebensmittelangebot in Deutschland ist so vielfältig, hochwertig und sicher wie nie zuvor. Prinzipiell hat es also jeder Bürger leicht, sich nach seinen Vorlieben und Bedürfnissen ausgewogen zu ernähren. Dennoch ist bei vielen Menschen die Energiebilanz aus dem Gleichgewicht geraten – sie nehmen mehr Kalorien auf, als sie durch Bewegung verbrauchen. Die Ursachen sind vielfältig: Das Ess- und Bewegungsverhalten, Lebensstile und Lebensräume, wie auch sozio-kulturelle Faktoren und genetische Veranlagung spielen hier eine Rolle. Jede einseitige Konzentration auf die Produktion von Lebensmitteln, auf den Handel oder den Verbraucher greift daher zu kurz.

Eine ausgewogene ‚Ernährung der Zukunft’ setzt das Zusammenspiel aller Marktbeteiligten voraus. „Einfache Lösungen kann es nicht geben. Unsere Gesellschaft muss sich dieser Komplexität stellen“, betont Prof. Dr. Erik Harms (Vorsitzender der Plattform Ernährung und Bewegung e. V.). „Hierzu gehören Veränderungen auf der Ernährungsseite, in jedem Fall aber auch mehr Sport und Bewegung im Alltag auf der Verbrauchsseite der Energiebilanz.“

Eine wichtige Forderung an Hersteller und Handel ist es, auch zukünftig ein möglichst vielfältiges Angebot an Lebensmitteln für die bedarfs- und situationsgerechte Auswahl bereitzustellen. Dafür sorgt die Lebensmittelwirtschaft. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob für veränderte Lebensstile weitere, entsprechend angepasste Lebensmittel benötigt werden. Prof. Dr. Matthias Horst (Hauptgeschäftsführer Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V.) sieht durchaus Potenzial in der Entwicklung neuer Produkte und Menüs. „Innovative Lebensmittel können zu einer speziell auf moderne Lebensstile abgestimmten Ernährung beitragen. Veränderte Rezepturen müssen allerdings technologisch realisierbar sein und nicht zuletzt den Geschmack ihrer Zielgruppen treffen, um Akzeptanz zu finden. Kalorienreduzierte Produkte werden aber das Übergewichtsproblem nicht lösen können, hierfür sind das Essverhalten insgesamt und eine aktive Lebensweise entscheidend. Dies zeigt nicht zuletzt ein Blick auf die USA.“

Generell spielt die Frage der Akzeptanz bei allen Lösungsansätzen eine entscheidende Rolle. Jede Strategie muss beim Verhalten der Menschen als Konsumenten und Marktteilnehmer ansetzen. Schon heute ist nicht ein unzureichendes Angebot an hochwertigen Lebensmitteln Ursache des verbreiteten Übergewichts, sondern vor allem eine unausgewogene Nutzung dieses Angebots. Aktive Freizeitangebote müssen an Zahl und Attraktivität deutlich zunehmen, damit die Menschen diese Angebote auch akzeptieren. „Die Prävention von Übergewicht beginnt mit der Information zum Thema Ernährung, mit einer hohen Produkttransparenz einschließlich einer ehrlichen Werbung sowie der Motivation für einen gesunden, bewegungsreichen Lebensstil“, erläutert Dr. Gerd Müller (Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz). „Wir müssen ein Hauptaugenmerk auf sozial schwache Haushalte legen, die einen besonders hohen Bedarf an Information und Unterstützung haben. Dabei ist es wichtig, mit der Aufklärungsarbeit schon im Kleinkindalter zu beginnen, in dem das Ernährungs- und Bewegungsverhalten entscheidend geprägt wird.“

„Entscheidend für die Zukunft ist die Aufklärungs- und Motivationsarbeit an vielen Stellen in der Gesellschaft, für die sich die Plattform Ernährung und Bewegung einsetzt“, folgert der peb-Vorsitzende und Kinderarzt Prof. Dr. Erik Harms: „Esskultur muss wieder ein Teil unseres Alltags werden. Wir müssen lernen, unsere Mahlzeiten wert zu schätzen, anstelle‚ nebenbei zu futtern’, uns mehr Zeit zum Tafeln nehmen statt hastig zu schlingen und mehr Spaß an Qualität denn an Menge haben. Es ist zudem Zeit für mehr Aktivität: für eine ausgewogene Verpflegung an KiTas und Schulen, in Betrieben und zu Hause - aber auch für mehr körperliche Bewegung. Sonst wird heute wie zukünftig die Energiebilanz nicht stimmen.“
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