Startseite
Kennzeichnung

Die Lebensmittelwirtschaft sieht den Vorschlag der EU-Kommission zur Lebensmittelinformation kritisch

Brüssel, 05.02.2008 -
Der Vorschlag der Europäischen Kommmission für eine Verordnung zur Lebensmittelinformation erteilt den politischen Forderungen nach einer verpflichtenden Ampelkennzeichnung eine deutliche Absage und unterstützt den Wirtschaftsansatz für eine sachliche Verbraucherinformation. „Die Absage an die Ampel und damit an nicht zu rechtfertigende Bewertungen von Lebensmittel als gut, mittel oder schlecht begrüßen wir ausdrücklich“, sagt Prof. Matthias Horst, Hauptgeschäftsführer des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL). „Dass jedoch die Mitgliedstaaten solche Ansätze weiter vorgeben können sollen, kann nicht Sinn der Rechtsharmonisierung sein.“

„Nicht akzeptabel ist auch, dass die Kommission jetzt einen Vorschlag zur verpflichtenden Nährwertkennzeichnung vorlegt, der mit den Ansätzen der Wirtschaft und auch den Empfehlungen von Minister Seehofer zur freiwilligen Nährwertkennzeichnung nicht kompatibel ist. Dabei hat die Kommission selbst diese Wirtschaftsinitiativen im Rahmen der Europäischen Plattform Ernährung und Bewegung ausdrücklich gefordert und gefördert“, so Horst. Die Forderungen der Wirtschaft nach Vereinfachung und Verschlankung des Rechts und Reduzierung der Pflichtangaben auf dem Etikett sind nicht aufgegriffen worden, ebenso wenig die Nutzung alternativer Informationswege, z. B. das Internet. Ziel muss es sein, Etiketten nicht zu überfrachten, sondern sie übersichtlicher und dadurch besser lesbar zu machen.

Zur Nährwertkennzeichnung sieht der Vorschlag der Kommission vor, dass Angaben zu Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker und Salz allesamt auf der "Schauseite" der Erzeugnisse stehen sollen, und zwar pro 100 g und ggf. pro Portion und unter Bezugnahme auf den Richtwert für den Tagesverzehr (GDA). Dies ist bei vielen Erzeugnissen schon aus Platzgründen problematisch, wenn nicht unmöglich. Eine Vielzahl von Umfragen bestätigt zudem, dass die Verbraucher vor allem an der zentralen Information zum Energiegehalt, "den Kalorien", interessiert sind. Auch bei der Nährwertinformation gilt, dass zu viel Information kontraproduktiv wirkt und letztlich weniger Information bedeutet. Deshalb lautet die Empfehlung der Wirtschaft in ganz Europa, die Energieangabe hervorzuheben und alle zusätzlichen Nährwertinformationen im Zusammenhang mit der Zutatenliste, dem Mindesthaltbarkeitsdatum und den weiteren Pflichtinformationen anzugeben.

„Wir erwarten, dass Minister Seehofer zu seiner Empfehlung steht und sich gegen die zu weitgehenden Vorstellungen der Kommission zur verpflichtenden Nährwertkennzeichnung einsetzt. Ansonsten liefe seine eigene Empfehlung keine sechs Monate nach Ihrer Verkündung anlässlich der ANUGA bereits ins Leere“, so Prof. Matthias Horst, der auch kritisiert, dass ein "immer noch mehr" statt "besser und klarer" dem Bekenntnis der Kommission zu besserer Gesetzgebung zuwiderläuft. Die eigene Forderung der Kommission nach Bürokratieabbau hat wieder einmal keinen Niederschlag in einem konkreten Regelungsvorschlag gefunden.

Schließlich wird eine Mindestschriftgröße von 3 mm vorgeschlagen, die nicht praktikabel ist und befürchten lässt, dass es bereits Probleme geben wird, alle Pflichtkennzeichnungselemente auf das Etikett zu bringen. Für weitere Informationen zu Produkt und Marke, die für die Verbraucher ebenfalls wesentliche und wichtige Informationen und Qualitätshinweise sind, kann kein Raum mehr bleiben. Die Lebensmittelwirtschaft soll zu umfangreichen Maßnahmen verpflichtet werden, ohne dass Nutzen und Auswirkungen solcher Schritte überhaupt nachgewiesen sind.

Der Kommissionsvorschlag ist als Vorschlag zu sehen. Deshalb wird die Lebensmittelwirtschaft ihre Kritik sowie konkrete Verbesserungsvorschläge in die Diskussion einbringen.


Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL)
Der BLL ist der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft. Ihm gehören ca. 500 Verbände und Unternehmen der gesamten Lebensmittelkette – Industrie, Handel, Handwerk, Landwirtschaft und angrenzende Gebiete – an.


Für weitere Informationen:
Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL)
Peter Loosen, LL.M
E-Mail: ploosen@bll.de, Internet: www.bll.de
Druckansicht
Artikel bewerten

Aktuell

  • Sicherheit

    "Coffee to go" im mitgebrachten Becher: Worauf im Service zu achten ist (Video)

    "Coffee to go" im mitgebrachten Becher: Worauf im Service zu achten ist (Video) Lehrvideo erklärt richtigen Umgang mit mitgebrachten Mehrwegbechern
    Mehr ...
  • Ernährung

    Beim Plätzchenbacken mögen es die Deutschen klassisch

    Beim Plätzchenbacken mögen es die Deutschen klassisch Pünktlich zum Start der Adventszeit backen zwei Drittel der Deutschen wieder Weihnachtsgebäck, so eine aktuelle Forsa-Umfrage. Diese süßen Zutaten verwenden sie.
    Mehr ...

Meistgelesen

  • Zusatzstoffe

    Liste der Zusatzstoffe und E-Nummern

    In diesem Artikel sind alle Zusatzstoffe mit E-Nummern aufgelistet, die Lebensmitteln zugesetzt werden dürfen.
    Mehr ...
  • Kennzeichnung

    Lebensmittelinformations-Verordnung

    Die LMIV stellt sicher, dass die Hersteller europaweit einheitliche und klare Vorgaben zur Kennzeichnung haben und dass Verbraucher beim Lebensmittelkauf umfassend informiert werden.
    Mehr ...
  • Nahrungsergänzung

    Gesetzliche Regelungen für NEM

    Verbraucher können ihr jeweils passendes Nahrungsergänzungsmittel aus einer großen Vielfalt legaler, sicherer, hochwertiger Produkte auswählen. Dafür sorgen gesetzliche Regelungen. Hier die wichtigsten.
    Mehr ...
zum Lebensmittelmagazin

Noch mehr zu Lebensmitteln & Ernährung: Besuchen Sie unser Online-Magazin lebensmittelmagazin.de

Zum Magazin ...

Presse Presse

  • Pressemitteilung

    Coffee to go: Lehrvideo erklärt richtigen Umgang mit mitgebrachten Bechern

    Der Lebensmittelverband hat ein Lehrvideo für Servicekräfte veröffentlicht, das den hygienischen Umgang mit Kundenbechern erklärt.
    Mehr ...

Publikationen Publikationen

  • Neue Leitsätze für vegane und vegetarische Lebensmittel

    Neue Leitsätze für vegane und vegetarische Lebensmittel Dokumentation mit Vorträgen und Fragen-Antworten-Katalog
    Download PDF
  • Nahrungsergänzungsmittel – die wichtigsten Fakten

    Nahrungsergänzungsmittel – die wichtigsten Fakten Informationen zu Nutzen, rechtlichen Vorgaben, Kennzeichnung und Sicherheit.
    Download PDF
  • Lebensmittel-Kennzeichnung verstehen

    Lebensmittel-Kennzeichnung verstehen Erklärung der Angaben auf der Verpackung (Zutaten, MHD, Menge und mehr).
    Download PDF
  • 10 Fragen & Antworten zum MHD

    10 Fragen & Antworten zum MHD Informationen zur Kennzeichnung der Haltbarkeit.
    Download PDF
Facebook Twitter LinkedIn Youtube Instagram RSS-Feed