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18.10.2013 | Health Claims

Brief an die Redaktion der Men's Health

Ihr Artikel „Iss Fisch, nicht falsch“ in der November-Ausgabe


Sehr geehrte Frau Giesler,

in der November-Ausgabe der Men’s Health wollen Sie Ihre Leser in dem Artikel „Iss Fisch, nicht falsch“ über Lebensmittel mit gesundheitlichen Zusatznutzen informieren. Leider lassen Sie sich dabei von denselben skandalheischenden Stilmitteln treiben, wie es offensichtlich in der Medienbranche zurzeit gang und gäbe ist. Ernährungsthemen werden nicht mehr sachlich, sondern pseudo-wissenschaftlich und emotional diskutiert. Und Ihr Artikel ist ein Paradebeispiel dafür. Journalistische Grundsätze wie umfassende, ausgewogene und vorurteilsfreie Recherche werden missachtet. Aus diesem Grunde sehen wir, der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft, uns zu diesem Brief veranlasst.

Bereits die Ankündigung auf dem Titelcover ist ein Affront. Nur weil es zum wiederholten Male heißt, die Lebensmittelindustrie lügt, wird diese populistische Aussage weder innovativer noch richtiger. Für die Lebensmittelwirtschaft ist es selbstverständlich, dass es generell verboten ist, Lebensmittel unter irreführender Bezeichnung, Angabe oder Aufmachung in den Verkehr zu bringen oder für Lebensmittel mit irreführenden Darstellungen oder sonstigen Aussagen zu werben. Die Hersteller halten sich im eigenen Interesse an die europaweitgeltenden Gesetze. Denn wer das nicht tut, wird je nach Verstoß entsprechend angemessen sanktioniert durch Geldbußen oder Strafen.

In Ihrer Subline schreiben Sie dann, dass immer mehr Lebensmittel gesund machen sollen. Das hat die Lebensmittelindustrie nie behauptet. Lebensmittel sind keine Arzneimittel. Lebensmittel dienen primär der Ernährung und haben natürlich auch Bedeutung für die Gesundheit, können also der Gesunderhaltung dienen. Aber nur Arzneimittel können Krankheiten heilen und lindern, also „gesund machen“.

Auf den nachfolgenden hoch unseriösen und polemischen Einleitungstext müssen wir wohl nicht weiter eingehen. Wir möchten Sie nur darum bitten, sich noch einmal mit den Health Claims zu beschäftigen, damit Sie verstehen, um was es bei dieser Verordnung eigentlich geht. Sie mokieren sich darüber, dass Produkte, deren Werbeclaim nicht akzeptiert wurde, trotzdem weiterhin verkauft werden dürfen. Verraten Sie uns bitte, warum sie Ihrer Meinung nach nicht weiter verkauft werden sollten? Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat gesundheitsbezogene Angaben bewertet, also Werbebotschaften und nicht die Sicherheit, die Qualität oder den Geschmack der Produkte. Es gibt also gar keinen Grund, sie vom Markt zu nehmen. In diesem Zusammenhang möchten wir noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass Werbeaussagen auch vorher nur dann verwendet werden durften, wenn sie wissenschaftlich abgesichert und belegbar waren. Geändert hat sich, dass es nun europaweit einheitliche Definitionen und Vorgaben gibt.

Im Verlauf zitieren Sie zwar das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und eine Professorin für Oecotrophologie, Sie lassen aber auch mehr als einmal Foodwatch zu Wort kommen. Wo sehen Sie bei Foodwatch die fachliche Expertise? Ist Herr Huizinga Wissenschaftler? Nein, er hat Medienmanagement studiert – unserer Meinung nach nicht wirklich die beste Voraussetzung für eine wissenschaftliche Aussage wie Deutschland ist kein Vitaminmangelland.

Bei uns, beim Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, finden Sie dagegen wissenschaftliche Expertise: Oecotrophologen, Lebensmittelchemiker, Lebensmitteltechnologen und natürlich Juristen. Wenn Sie fachliche Fragen haben, können Sie sich gerne an uns wenden. Wir laden zwecks Informations- und Gedankenaustausch auch regelmäßig in Berlin Journalisten zu einem Hintergrundkreis mit Experten ein. Der nächste Termin ist am 12. November um 18.00 Uhr und steht im Zeichen der Lebensmittelinformationsverordnung. Wenn Sie Interesse haben, würden wir uns natürlich freuen, Sie begrüßen zu dürfen.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen

Christoph Minhoff
Hauptgeschäftsführer


Der Originalbrief finden Sie hier als PDF: Redaktionsbrief Men's Health (18. Oktober 2013)
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