Startseite
29.05.2008 | Kennzeichnung

Fakten statt Populismus – Absage der Wirtschaft an die Kehrtwende in der Politik zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln

Bundesminister Seehofer hatte im Oktober 2007 gemeinsam mit der Lebensmittelwirtschaft seine Vorstellungen zu einer freiwilligen, erweiterten Nährwertinformation auf verpackten Lebensmitteln vorgestellt und der so genannten Ampelkennzeichnung eine deutliche Absage erteilt. Damit hat er sich für die sachlich-faktische Nährwertinformation und gegen jede Art der Bewertung und insbesondere Abwertung einzelner Lebensmittel stark gemacht. Eine Verbraucherumfrage des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) vom März 2008 hat diesen Ansatz des Ministers bestätigt, bewerteten ihn doch jeweils über 80% der Befragten als informativ, verständlich und übersichtlich. Zur ergänzenden Frage einer Unterlegung dieser Angaben mit den Ampelfarben rot-gelb-grün gaben lediglich gut 50% an, dass eine farbliche Gestaltung ihr „Kaufverhalten beeinflussen“ würde. Gleichwohl deutet sich derzeit eine totale politische Kehrtwende an: Nunmehr strebt das BMELV die Ampelkennzeichnung nach britischem Vorbild an, denn nichts anderes ist die so genannte „Farbunterlegung“ der Nährwertinformationen.

Ablehnung der Wirtschaft


Die Wirtschaft widerspricht dieser Neuausrichtung in der Politik des BMELV. Sie lehnt weiterhin eine Kennzeichnung ihrer Produkte mit den Ampelfarben, gleich welcher Ausgestaltung im Detail, strikt ab und wird entsprechenden Forderungen oder „Empfehlungen“ von Seiten der Politik nicht nachkommen.
Die wesentlichen Gründe dafür sind:

  • Mangelnde wissenschaftliche Begründung
    für eine singuläre Bewertung der Nährstoffe von Lebensmitteln
    für eine Kategorisierung von Lebensmitteln in „gesund“/ “ungesund“ bzw. „gut“ /“schlecht“
  • Willkürliche – wissenschaftlich nicht begründbare – Kriterien für die „Farbeinteilung“
  • Irreführung der Verbraucher („grün“ suggeriert falsche Sicherheit; „rot“ schürt unbegründete Ängste)
  • Bevormundung der Verbraucher
  • Konterkarierung der Eigenverantwortung der Verbraucher
  • Untaugliches Mittel gegen Übergewicht
  • Diskriminierung ganzer Lebensmittel-Kategorien mit hohem Genusswert
  • Politisch-ideologisch motivierte Nachfragelenkung (mit der Wirkung eines Präzedenzfalles für andere Bereiche bzw. Branchen).

Der Weg der Wirtschaft


Orientierung und Maßstab für die Wirtschaft bleibt das Prinzip der sachlich-faktischen Nährwertinformation entsprechend den Empfehlungen des Verbandes der Europäischen Ernährungsindustrien (CIAA), des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) sowie weiterer Verbände aus der Industrie, der vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) mitgetragenen Empfehlung des europäischen Handelsverbandes EuroCommerce sowie auch der Eckpunkte von Bundesminister Seehofer aus dem Herbst 2007. Diese Initiativen zur freiwilligen Kennzeichnung sind sehr erfolgreich, denn bereits heute tragen mehr als zwei Drittel aller Lebensmittel eine entsprechende Nährwertkennzeichnung und die Tendenz ist deutlich steigend. Erwartung der Wirtschaft an die Verlässlichkeit von Politik Unternehmen brauchen die Politik als verlässlichen Partner, sie brauchen eine verlässliche Planungsgrundlage, gerade wenn es um erhebliche Investitionen in freiwillige Kennzeichnungsansätze geht – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der anstehenden Gesetzgebungsdiskussion auf europäischer Ebene. Die freiwilligen Aktivitäten der Wirtschaft wurden stets von der Politik nachdrücklich empfohlen und mitgetragen. Es ist unverantwortlich, wenn die Politik plötzlich ihren Ansatz ins Gegenteil verkehrt.


Berlin, 29. Mai 2008


Bund für Lebensmittelrecht und
Lebensmittelkunde e.V. (BLL)

Claire-Waldoff-Straße 7
10117 Berlin
Telefon: 030 206143127

Bundesverband der
Deutschen Industrie e. V.

Breite Straße 29
10178 Berlin
Telefon: 030 20281752

Bundesvereinigung der Deutschen
Ernährungsindustrie e. V. (BVE)

Claire-Waldoff-Straße 7
10117 Berlin
Telefon: 030 200786120

Hauptverband des Deutschen
Einzelhandels e. V. - HDE

Am Weidendamm 1 A
10117 Berlin
Telefon: 030 72625065

Markenverband e. V.
Unter den Linden 42
10117 Berlin
Telefon: 030 20616840


Die Stellungnahme können Sie hier als PDF-Dokument herunterladen:
Fakten statt Populismus – Absage der Wirtschaft an die Kehrtwende in der Politik zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln (3. Januar 2011)
Druckansicht
Artikel bewerten

Aktuell

  • Branche

    Tag der Lebensmittelvielfalt: 170.000 Produkte auf dem deutschen Markt

    Tag der Lebensmittelvielfalt: 170.000 Produkte auf dem deutschen Markt Vielfalt pur: Aus rund 170.000 verschiedenen Lebensmitteln können Verbraucher:innen in Deutschland das auswählen, was ihnen schmeckt und was sie für ihren individuellen Lebensstil benötigen.
    Mehr ...
  • Ernährung

    Stress im Corona-Sommer: Nährstoffversorgung wichtig für Stressbewältigung

    Stress im Corona-Sommer: Nährstoffversorgung wichtig für Stressbewältigung 91 Prozent der Deutschen haben sich in letzter Zeit – mitbedingt durch die Coronakrise – beruflich oder privat gestresst gefühlt. Bei der Stressbewältigung spielt auch die Nährstoffversorgung eine Rolle.
    Mehr ...

Meistgelesen

  • Zusatzstoffe

    Liste der Zusatzstoffe und E-Nummern

    In diesem Artikel sind alle Zusatzstoffe mit E-Nummern aufgelistet, die Lebensmitteln zugesetzt werden dürfen.
    Mehr ...
  • Kennzeichnung

    Lebensmittelinformations-Verordnung

    Die LMIV stellt sicher, dass die Hersteller europaweit einheitliche und klare Vorgaben zur Kennzeichnung haben und dass Verbraucher beim Lebensmittelkauf umfassend informiert werden.
    Mehr ...
  • Nahrungsergänzung

    Gesetzliche Regelungen für NEM

    Verbraucher können ihr jeweils passendes Nahrungsergänzungsmittel aus einer großen Vielfalt legaler, sicherer, hochwertiger Produkte auswählen. Dafür sorgen gesetzliche Regelungen. Hier die wichtigsten.
    Mehr ...
zum Lebensmittelmagazin

Noch mehr zu Lebensmitteln & Ernährung: Besuchen Sie unser Online-Magazin lebensmittelmagazin.de

Zum Magazin ...

Presse Presse

  • Pressemitteilung

    „Tag der Lebensmittelvielfalt“ am 31. Juli: 170.000 Produkte auf dem Markt

    Die Verbraucher:innen in Deutschland haben jeden Tag die Wahl: Aus rund 170.000 Lebensmitteln können sie das auswählen, was ihnen schmeckt und was sie für ihren individuellen Lebensstil benötigen.
    Mehr ...

Veranstaltungen Veranstaltungen

  • 02.09.2020

    ILWI-Grundlagenseminar zum Lebensmittelrecht 2020

    Das Grundlagenseminar gibt einen Überblick über die wichtigsten nationalen und europäischen Bestimmungen des Lebensmittelrechts.
    Mehr ...

Publikationen Publikationen

  • Lebensmittel-Kennzeichnung verstehen

    Lebensmittel-Kennzeichnung verstehen Erklärung der Angaben auf der Verpackung (Zutaten, MHD, Menge und mehr).
    Download PDF
  • Neue Leitsätze für vegane und vegetarische Lebensmittel

    Neue Leitsätze für vegane und vegetarische Lebensmittel Dokumentation mit Vorträgen und Fragen-Antworten-Katalog
    Download PDF
  • Nahrungsergänzungsmittel – die wichtigsten Fakten

    Nahrungsergänzungsmittel – die wichtigsten Fakten Informationen zu Nutzen, rechtlichen Vorgaben, Kennzeichnung und Sicherheit.
    Download PDF
  • 10 Fragen & Antworten zum MHD

    10 Fragen & Antworten zum MHD Informationen zur Kennzeichnung der Haltbarkeit.
    Download PDF
Facebook Twitter LinkedIn Youtube Instagram RSS-Feed