17.08.2018 | Salz

Wider die Salzpanik: Wie viel (oder wenig) Salz ist gesund?

Neue Studie aus Kanada mit interessanten Ergebnissen zum Salzkonsum
Gesundheitsorganisationen warnen seit Jahren vor ungesunden Gesundheitseffekten eines hohen Salzkonsums. Salz soll radikal reduziert werden, fordern NGOs und Teile der Politik. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung hält nun dagegen. Das sind die interessanten Ergebnisse.

Titel:
Urinary sodium excretion, blood pressure, cardiovascular disease, and mortality: a community-level prospective epidemiological cohort study

Datum:
11. August 2018

Veröffentlicht in:
The Lancet, Volume 392, Issue 10146. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31376-X

Autoren:
Andrew Mente et. al.



Empfehlungen der WHO wissenschaftlich überholt?


Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt einen maximalen Konsum von 5 Gramm Kochsalz (Natriumchlorid) pro Tag, das sind weniger als 2 Gramm Natrium täglich. Dadurch soll Bluthochdruck verhindert werden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorgebeugt werden, die im Zusammenhang mit hohem Salzkonsum stehen sollen.

Diese Empfehlung beruhe vor allem auf individuellen Daten aus Kurzzeitstudien zum Blutdruck, ohne dass Daten aus Beobachtungsstudien vorgelegen hätten, die die Auswirkungen einer geringeren Salzzufuhr auf die Herzgesundheit untersuchen, bemängelt eine Gruppe kanadischer Wissenschaftler.

Salzkonsum in Maßen unbedenklich


Hier setzten sie mit einer neuen Untersuchung an. Diese basiert auf Daten, in denen über acht Jahre hinweg bei über 94.000 Personen zwischen 35 und 70 Jahren aus 18 verschiedenen Ländern die Salzzufuhr und das Auftreten von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Sterblichkeit beobachtet wurden.
Das Ergebnis: Nur eine sehr hohe Salzaufnahme von mehr als 12 Gramm pro Tag war mit kardiovaskulären Erkrankungen und Schlaganfällen verbunden

Erstaunlich: Ein zu niedriger Salzkonsum birgt ein Risiko für Herzinfarkt


Beim Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Herzinfarkt sowie Salzkonsum und Gesamtmortalität stellten die Forscher fest, dass sehr niedrige Natriumwerte sogar zu mehr Herzinfarkten und Todesfällen führten.

Negative Auswirkungen bei sehr hohem Salzkonsum in China


Ein sehr hoher Salzkonsum habe laut der Untersuchung jedoch dennoch negative Auswirkungen auf Blutdruck und Schlaganfallrisiko. In China, wo durchschnittlich mehr als12 Gramm Salz pro Tag konsumiert wurden, stellten die Forscher erhöhten Blutdruck und ein erhöhtes Schlaganfallrisiko fest. Zurückzuführen sei der hohe Konsum vor allem auf den häufigen Konsum von salzhaltiger Sojasauce. China war das einzige der untersuchten Länder, in dem 80 Prozent der Gemeinden eine Menge von 12 Gramm Salz pro Tag überschritten.

In der Mehrheit der Länder sei der Salzkonsum hingegen mit durchschnittlich etwa 10 Gramm Salz pro Tag deutlich niedriger. In die Reihe dieser Länder lässt sich auch Deutschland einordnen: Laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts nehmen Männer in Deutschland durchschnittlich 10 Gramm Kochsalz pro Tag zu sich und Frauen 8,4 Gramm.

Begrenzung des Kochsalzkonsums für Deutschland nicht relevant


Eine Begrenzung der aufgenommenen Salzmenge sei damit nur für Länder relevant, in denen ein sehr hoher Salzkonsum (mehr als 12 Gramm Salz) vorliegt. In den Worten der Wissenschaftler: „Es gibt keine überzeugenden Beweise dafür, dass Menschen mit moderater Natriumaufnahme diese reduzieren müssen, um Herzerkrankungen und Schlaganfällen vorzubeugen“, zitieren Nachrichtenmedien wie T-Online.de den Co-Autor der Studie, Martin O'Donnell.

Ein wichtiger Input für die aktuelle Debatte um eine weitreichende Reduktion von Salz in Lebensmitteln, auch in Deutschland.

Warum ist Salz in Lebensmitteln?


Neben seinen ernährungsphysiologischen Wirkungen erfüllt Salz wichtige technologische Funktionen bei der Lebensmittelherstellung. Welche Rolle Salz in unserer Ernährung und in der Lebensmittelherstellung spielt, erklären wir im folgenden Video:

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