23.05.2019 | Verpackung

Orientierungswerte für Mineralölkohlenwasserstoffe (MOH) in Lebensmitteln veröffentlicht

Gemeinsame Veröffentlichung der MOH-Orientierungswerte durch BLL und LAV
Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL) und die Länderarbeitsgemeinschaft gesundheitlicher Verbraucherschutz (LAV) informieren über erste Ergebnisse des gemeinsamen Projektes „Orientierungswerte für Gehalte an Mineralölkohlenwasserstoffen in Lebensmitteln".
Hintergrund sind die gesamten Entwicklungen und Diskussionen um die Belastungen von Lebensmitteln mit Kohlenwasserstoffen aus Mineralölquellen oder analogen Substanzen und die hierfür fehlenden Beurteilungsgrundlagen.

Grundbelastung mit Mineralölkohlenwasserstoffen


Die komplexen Verhältnisse der Ursachen und Analytik von MOSH und MOAH aus Mineralölen sowie Analoga sind in der „BLL-Toolbox zur Vermeidung von Einträgen unerwünschter Mineralölkohlenwasserstoffen in Lebensmittel“ (Dezember 2017) dargestellt. Durch die Vielfalt der Quellen, die Komplexität und Unterschiedlichkeit der Prozessketten, durch die Rollen unverzichtbarer Hilfsstoffe und der ubiquitären Umwelteinflüsse verdichten sich die Erkenntnisse, dass auch bei Einhaltung einer optimierten guten Herstellungs- und Verpackungspraxis mit einer „Grundbelastung“ zu rechnen ist. Diese ergibt sich aus der Summe der messbaren Mineralölkohlenwasserstoffe und Analoga unterschiedlichster Quellen.

Orientierungswerte zur Überprüfung der Einhaltung guter fachlicher Praxis


Die gemeinsamen Orientierungswerte erlauben es nun, die Einhaltung einer guten fachlichen Praxis produkt- und prozessspezifisch einzuschätzen bei der Befundbeurteilung von bestimmten Endverbraucherprodukten durch die Überwachung oder Warentester. Konkreter Anlass für das gemeinsame Projekt war die Beschlusslage der Verbraucherschutzminister (VSMK) im April 2017, mit der Aufforderung, auf Basis von Daten aus Überwachung und Wirtschaft Werte abzuleiten, die im Sinne des Minimierungsgedankens wirken können. Federführend für die Umsetzung ist eine „ALB-/BLL-Projektgruppe“ aus repräsentativen Vertretern der Bundesländer aus der LAV-Arbeitsgruppe „Lebensmittel, Bedarfsgegenstände, Wein und Kosmetika“ (ALB) und der involvierten Wirtschaftskreise, letztere unter Koordination des BLL. Im Zeitraum von Juni 2018 bis November 2018 wurden – wirtschaftsseitig unter Einbindung der Fachverbände, Handelslaboratorien und des Handels – Daten nach definierten Vorgaben erfasst, anonymisiert und in geschütztem Format der Auswertung zugeführt. Im Ergebnis liegen nunmehr für erste Lebensmittelkategorien „Gemeinsame MOH-Orientierungswerte“ vor, die in parallelen Abstimmungsprozessen von BLL-Gremien und ALB bestätigt wurden.

Orientierungswerte sind keine fixen Grenzwerte


Dem BLL sind folgende Hinweise wichtig: Die empfohlenen „Orientierungswerte“ sind keine fixen Grenzwerte und nicht als solche anwendbar. Alle Beteiligten haben die in der Präambel formulierten Erläuterungen und die Anwendungshinweise zu berücksichtigen, die auf die Einzelfallbeurteilung und Hinweise zur Ursachenforschung abstellt sind und nicht auf die Verkehrsfähigkeit der Produkte: „Werden Orientierungswerte überschritten, kann dies auf mögliche und gemäß der guten Praxis gegebenenfalls vermeidbare Eintragsquellen im Rahmen der Herstellungs- und Verpackungsprozesse entlang einer Lieferkette hinweisen und Anlass für Ursachenforschung sein. Bei der weiteren Beurteilung eines Produktes sind dessen Zusammensetzung, Art und Dauer der Verpackung, die Mindesthaltbarkeit, die Informationen über die Rohstoffsituation, über Verarbeitungsprozesse und Lebensmittelkontaktmaterialien auf allen Stufen sowie die Zweckbestimmung und die üblichen Verzehrmengen zu berücksichtigen.“

Orientierungswerte sind Produktgruppenspezifisch


Orientierungswerte gelten definitionsgemäß als Aussage zum Stand der Herstellungspraxis einer branchenspezifischen Prozesskette, der von technisch nicht mehr beeinflussbaren Einträgen oder notwendigen Verwendung von Hilfsstoffen geprägt ist („Grundbelastung“). Sie können deshalb nur für solche Produktkategorien aus einer homogenen Datenlage abgeleitet werden, wenn eine gute fachliche Praxis in Bezug auf MOH als etabliert gilt. Als künftiges Projektziel sind Orientierungswerte auch für weitere Produktgruppen vorgesehen. Die Projektgruppe arbeitet derzeit an der Erhebung, Zusammenführung und Auswertung weiterer Datensätze.

MOH-Orientierungswerte zum Download


Orientierungswerte für Mineralölkohlenwasserstoffe (MOH) in Lebensmitteln (PDF-Dokument)

Benchmark levels for mineral oil hydrocarbons (MOH) in foods (PDF-document)
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