Startseite

Stellungnahme zum 15-Punkte-Plan für mehr Lebensmittelklarheit von Foodwatch

Anlässlich des einjährigen Bestehens der Plattform Lebensmittelklarheit.de hat die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch einen Aktionsplan für nationale wie europäische Regelungen vorgelegt – verbunden mit der Forderung an Bundesverbraucherministerin
Ilse Aigner, diesen 15-Punkte-Plan für mehr Lebensmittelklarheit durchzusetzen.

Nach Durchsicht des Aktionsplans stellt der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL) fest, dass es sich hierbei in vielen Punkten um „Scheingefechte“ handelt, denn viele der Forderungen sind in den heute geltenden gesetzlichen Regeln schon festgeschrieben, wie beispielsweise die Mengenkennzeichnung von Zutaten (sog. QUID-Regelung), die besagt, dass Zutaten, die durch Worte oder Bilder auf der Verpackung hervorgehoben werden, in der Regel mengenmäßig im Zutatenverzeichnis angegeben werden müssen. Gleiches gilt für die Forderung nach einer Mindest-Füllmenge für Verpackungen: Bereits heute ist eine Gestaltung von Fertigpackungen verboten, die eine größere Füllmenge vortäuscht als in ihnen tatsächlich vorhanden ist, d. h. eine Verpackung mit übertriebenem Packmittelumfang bzw. zu niedriger Füllmenge ist nicht erlaubt. Dabei orientiert sich die Bewertung an einem Maßstab von 30 Prozent Freiraum, zu prüfen ist aber immer der Einzelfall. Ist die Gestaltungsform der Verpackung technisch bedingt oder gebrauchsbedingt, so fällt diese nicht unter das Täuschungsverbot.

Weiterhin sind einige der aufgestellten Forderungen bereits in der Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) umgesetzt, welche ab Ende 2014 Anwendung findet. So ist darin beispielsweise geregelt, dass in der Nährwerttabelle zukünftig Salz anstatt Natrium angegeben wird.

Darüber hinaus werden von Foodwatch bewusst falsche Behauptungen aufgestellt, z. B. dass gesundheitsbezogene Werbeaussagen (Health Claims) häufig irreführend seien. Nach der Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben bei Lebensmitteln muss nicht nur der wissenschaftliche Nachweis einer positiven ernährungsbezogenen oder physiologischen Eigenschaft eines Lebensmittels oder eines Stoffes erbracht sein, sondern eine Aussage darüber hinaus explizit zugelassen werden; anderenfalls darf sie nicht verwendet werden. Dies bedeutet, dass nährwert- und gesundheitsbezogene Eigenschaften von Stoffen werblich nur herausgestellt werden dürfen, wenn diese in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen und zusätzlich von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigt und von der EU-Kommission genehmigt wurden.

Für die Lebensmittelwirtschaft ist es selbstverständlich, dass es generell verboten ist, Lebensmittel unter irreführender Bezeichnung, Angabe oder Aufmachung in den Verkehr zu bringen oder für Lebensmittel mit irreführenden Darstellungen oder sonstigen Aussagen zu werben. Ebenso selbstverständlich wollen Verbraucher mit gutem Recht wissen, was sie essen. Deshalb informieren die Hersteller bereits heute über alle wichtigen Informationen auf Lebensmittelverpackungen, wie über die Verkehrsbezeichnung, die Zutaten, das Mindesthaltbarkeitsdatum und die Füllmenge. Auch Nährwerttabellen finden sich bereits heute vor der Einführung einer verpflichtenden Kennzeichnung auf mehr als 80 Prozent der Verpackungen. Nicht alles kann auf die Schauseite gedruckt werden, das liegt in der Natur der Sache. Wesentliche Angaben müssen aber durchaus in einem Sichtfeld aufgeführt werden, z. B. die Bezeichnung des Lebensmittels und die Nettofüllmenge.

Angesichts der Foodwatch-Forderungen und der Tatsache, dass sich bereits heute so mancher Verbraucher von der Fülle verschiedener Angaben überfordert fühlt, ist am Ende eine gute Abwägung entscheidend. Es ist maßgeblich darauf abzustellen, welche zusätzlichen Informationen dem Verbraucher tatsächlich einen Mehrwert bringen, d. h. was für den Verbraucher wirklich sinnvoll und nützlich ist.


Juli 2012


Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL)
Der BLL ist der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft. Ihm gehören ca. 500 Verbände und Unternehmen der gesamten Lebensmittelkette – Industrie, Handel, Handwerk, Landwirtschaft und angrenzende Gebiete – an.


Die Stellungnahme finden Sie hier als PDF-Dokument zum Download:
Stellungnahme zum 15-Punkte-Plan für mehr
Lebensmittelklarheit von Foodwatch (Juli 2012)
Druckansicht
Artikel bewerten

Aktuell

  • Kennzeichnung

    Umfrage zu Nährwert-Label: Nutri-Score fällt bei deutschen Verbrauchern durch

    Umfrage zu Nährwert-Label: Nutri-Score fällt bei deutschen Verbrauchern durch Das Institut Allensbach hat die deutsche Bevölkerung repräsentativ zur Verständlichkeit von zwei Nährwert-Labels befragt. Dabei unterliegt der Nutri-Score klar dem Modell des Lebensmittelverbands.
    Mehr ...
  • Hygiene

    „Coffee to go“ in mitgebrachten Bechern: Merkblatt zur Hygiene veröffentlicht

    „Coffee to go“ in mitgebrachten Bechern: Merkblatt zur Hygiene veröffentlicht Für den Umgang mit mitgebrachten Coffe-to-go-Bechern gibt der Lebensmittelverband ein Merkblatt heraus. Dieses ist nun in der 2. Auflage veröffentlicht.
    Mehr ...

Meistgelesen

  • Zusatzstoffe

    Liste der Zusatzstoffe und E-Nummern

    In diesem Artikel sind alle Zusatzstoffe mit E-Nummern aufgelistet, die Lebensmitteln zugesetzt werden dürfen.
    Mehr ...
  • Kennzeichnung

    Lebensmittelinformations-Verordnung

    Die LMIV stellt sicher, dass die Hersteller europaweit einheitliche und klare Vorgaben zur Kennzeichnung haben und dass Verbraucher beim Lebensmittelkauf umfassend informiert werden.
    Mehr ...
  • Nahrungsergänzung

    Gesetzliche Regelungen für NEM

    Verbraucher können ihr jeweils passendes Nahrungsergänzungsmittel aus einer großen Vielfalt legaler, sicherer, hochwertiger Produkte auswählen. Dafür sorgen gesetzliche Regelungen. Hier die wichtigsten.
    Mehr ...
zum Lebensmittelmagazin

Noch mehr zu Lebensmitteln & Ernährung: Besuchen Sie unser Online-Magazin lebensmittelmagazin.de

Zum Magazin ...

Presse Presse

  • Pressemitteilung

    Intransparent, unverständlich, informationsarm: Nutri-Score fällt bei den Verbrauchern durch

    Bei einer repräsentativen Befragung des Instituts Allensbach zur Verständlichkeit von Systemen zur Nährwertkennzeichnung unterliegt der Nutri-Score klar dem Vorschlag des Lebensmittelverbands.
    Mehr ...

Positionen Positionen

  • Nahrungsergänzung

    Nahrungsergänzungsmittel müssen sicher sein!

    Der AK NEM distanziert sich von den in Beiträgen des Reporterteams Claudia Butter und Philipp Reichert gezeigten unseriösen und illegalen Praktiken.
    Mehr ...

Publikationen Publikationen

  • Nahrungsergänzungsmittel – die wichtigsten Fakten

    Nahrungsergänzungsmittel – die wichtigsten Fakten Informationen zu Nutzen, rechtlichen Vorgaben, Kennzeichnung und Sicherheit.
    Download PDF
  • Lebensmittel-Kennzeichnung verstehen

    Lebensmittel-Kennzeichnung verstehen Erklärung der Angaben auf der Verpackung (Zutaten, MHD, Menge und mehr).
    Download PDF
Facebook Twitter LinkedIn Youtube Instagram RSS-Feed