09.02.2017 | Werbung

Übergewicht bei Kindern: Stärkere Werberegulierung keine Lösung

Mediendebatte um neue BIPS-Studie
Nach der Veröffentlichung einer nicht repräsentativen, europäischen Studie zum Thema Übergewicht bei Kindern haben die Wissenschaftler eine stärkere Regulierung von Werbung gegenüber Kindern gefordert. Der BLL erklärt, warum dies keine Lösung ist.

Heute hat das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) die I.Family-Studie zu Übergewicht bei Kindern vorgestellt. In dem größten europäischen Studienprojekt wurden 10.000 Kinder zwischen 7-17 Jahren untersucht. Die nicht repräsentative Studie des Bremer Instituts kommt dabei auf andere Zahlen als der 13. DGE-Ernährungsbericht, den die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in der letzten Woche veröffentlicht hatte. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn Menschen aufgrund der darauf basierenden Nachrichtenlage verunsichert sind.

Werbekompetenz statt Werbeverbot


BILD.de zitiert groß in der Überschrift: „Kinder sind Einflüssen der Werbung schutzlos ausgeliefert“. Wenn dies so ist, dann kann aus Sicht des BLL die Antwort nicht ein Werbeverbot sein. BLL-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff erklärte gegenüber der dpa: „Ein komplexes Problem wie die Entwicklung von Übergewicht löst man nicht durch einfache Antworten. Wer gesetzliche Werbeverbote fordert, erhält dabei vielleicht öffentlichen Beifall, aber nur scheinbar eine Lösung. Ein Werbeverbot bringt keine Lösung.“

„Wer Kinder besser schützen will, muss sie zu urteilsfähigen und selbstbestimmten Konsumenten heranwachsen lassen – was mühsam, aber wirkungsvoll ist. Eltern, Staat, Gesellschaft und Wirtschaft sind dabei in ihrer Unterstützung gleichermaßen aufgerufen. Dazu gehört auch der verantwortungsvolle Umgang mit Werbung. Werbung ist ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft und spielt eine fundamentale Rolle in einem fairen und lauteren Wettbewerb.“ Minhoff fügte hinzu: „Man kann Kinder nicht unter einer schützenden Glocke aufwachsen lassen, bis sie 18 Jahre alt sind. Sie sollten nicht von der Werbung ausgeschlossen werden, sondern sie müssen den Umgang mit ihr erlernen und Werbekompetenz entwickeln.“



Bildung und Bewegung sind zentral


Die Forderung nach Werbeverboten ist jedoch nicht das einzige Ergebnis der Untersuchung. Die Studie ist breiter aufgestellt: Dabei wird deutlich, dass der Bildungsgrad der Eltern ein wichtiger Einflussfaktor auf das Gewicht der Kinder ist: Weniger gebildete Eltern achteten in der Regel seltener auf gesunde Ernährung, stellten seltener Regeln für Süßigkeiten und Sport auf. Die Studie fordert die Umwelt der Kinder so zu gestalten, dass Bewegung und Sport möglich sind. Bildung und Bewegung zwei Bausteine, die auch für den BLL zentral in der Prävention von Übergewicht sind.

Hintergrund: Diskussion um Werberegulierung


Werberegulierung war eines der Themen beim letzten BLL-Mediendialog. Ein Video der Diskussion finden Sie hier:

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