10.08.2017 | Rückverfolgbarkeit

Wenn drin ist, was nicht rein gehört

Wie funktionieren Schnellwarnung und Rückverfolgung?
Aktuell sprechen alle über Hühnereier, die mit Fipronil belastet sind und möglicherweise auch weiter verarbeitet wurden – Grund genug, ein Blick auf die funktionierenden Rückverfolgbarkeits- und Schnellwarnsysteme für Lebensmittel zu werfen: Wie gewährleistet die Lebensmittelkette die Rückverfolgbarkeit? Und was ist das RASFF?

Die Lebensmittel in der europäischen Union haben einen hohen Sicherheitsstandard, der unter anderem durch die Vielzahl der EU-Rechtsvorschriften gewährleistet wird. Dazu zählt beispielsweise die Verpflichtung zur Rückverfolgbarkeit.

Verfolgung des Lebensmittels auf allen Produktionsstufen


Alle Lebensmittelunternehmen sind verpflichtet zu gewährleisten, dass die eingesetzten Rohstoffe beziehungsweise die einzelnen Zutaten ihrer Produkte rückverfolgt werden können. So kann in Krisenfällen schnell herausgefunden werden, wer von wem welche Zutaten und Rohstoffe bekommen hat und in welchen Lebensmitteln diese verarbeitet worden sind. Das heißt, dass jeder in der Lebensmittelkette, von der Produktion bis zum Vertrieb, wissen muss, was er von wem bekommen beziehungsweise an wen abgegeben hat – und zwar jeweils eine Stufe vor und eine zurück.



Globalität macht Schnellwarnsystem unverzichtbar


Rückverfolgbarkeitssysteme der Lebensmittelunternehmen werden zum Beispiel dann in Gang gesetzt, wenn über das europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel RASFF (Rapid Alert System for Food and Feed) eine konkrete Gefährdung bekannt geworden ist. Das RASFF ist ein wichtiges und angesichts europäischer Warenströme unverzichtbares Mittel zur Information in Krisenfällen. Durch das Schnellwarnsystem können sich die Mitgliedsstaaten schnell informieren, austauschen und Betroffenheiten klären, um dann entsprechend rasch handeln zu können. Die deutsche Kontaktstelle des RASFF ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

RASFF auf schnelles Handeln seiner Anwender angewiesen


Primär ist das Schnellwarnsystem zur Gefahrenabwehr konzipiert, sprich, es ist für Fälle gedacht, in denen eine gesundheitliche Gefährdung der Konsumenten besteht. Obwohl diese Gesundheitsgefahr im Fall von Fipronil laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nicht besteht, wurde das RASFF dennoch angewendet, mit der Begründung, dass es sich um einen Stoff handelt, der unerwünscht ist. Fipronil ist für den Einsatz bei Tieren, die Lebensmittel produzieren, also zum Beispiel Fleisch, Milch oder Eier liefern, nicht erlaubt – daher die aktuellen Rückrufe.

Das Schnellwarnsystem funktioniert in der Regel gut, wenn alle Beteiligten rechtzeitig die relevanten Informationen dort auch einstellen. Dies war im Fipronil-Fall seitens der niederländischen und belgischen Behörden jedoch nicht der Fall. Das heißt im Klartext, dass im Fipronil-Fall nicht das System, sondern die Kommunikation der niederländischen und belgischen Behörden versagt hat.

In Deutschland informiert Lebensmittelwarnung.de


Trotz aller Anstrengungen und umfangreicher Qualitäts- und Sicherheitskontrollen seitens der Lebensmittelwirtschaft kann es also immer mal wieder zu Produktrückrufen kommen. Auf nationaler Ebene werden die Konsumenten über das Portal Lebensmittelwarnung.de über Lebensmittel gewarnt, von denen eine gesundheitliche Gefahr ausgehen kann und die vom Hersteller zurückgerufen wurden. Die Informationen werden von den Behörden der Bundesländer oder vom BVL eingestellt.

Weitere Informationen:


Druckansicht
Artikel bewerten

Verwandte Inhalte

  • Novel Food
    Chiasamen: Was bedeutet der Verzehrhinweis von nicht mehr als 15 Gramm pro Tag?
    Interview zum trendigen Superfood mit Experte Peter Loosen
  • Novel Food
    Die Neue in der Limo: Kaffeekirsche
    Vom Nebenprodukt zum Novel-Food
  • Novel Food
    Insekten als Lebensmittel: Zugelassen oder nicht?
    Novel-Food-Experte Peter Loosen im Interview
  • Rückverfolgbarkeit
    Vom Kartoffelsalat zur Kartoffel: Wie lassen sich Lebensmittel zurückverfolgen?
    BLL erklärt Rückverfolgbarkeit in neuem Webvideo
  • Rückverfolgbarkeit
    Blockchain für Rückverfolgbarkeit entlang der Lebensmittelkette
    Welche Chancen bietet Blockchain im Lebensmittelbereich?

Aktuell

  • Politik

    Gemeinsam für ein Europa der Vielfalt: Erwartungen an die EU-Insitutionen

    Gemeinsam für ein Europa der Vielfalt: Erwartungen an die EU-Insitutionen Das erwartet die deutsche Lebensmittelwirtschaft von den EU-Institutionen und neu gewählten Abgeordneten in der Legislaturperiode bis 2024.
    Mehr ...
  • Kennzeichnung

    Nährwert-Label erklärt: Was zeigen Nutri-Score, Torten-Modell & Co? (Video)

    Nährwert-Label erklärt: Was zeigen Nutri-Score, Torten-Modell & Co? (Video) Das Bundesernährungsministerium hat die angekündigte Verbraucherforschung für ein Label zur vereinfachten Nährwertkennzeichnung gestartet. Vier Modelle gehen in die Umfrage. Wir erklären sie im Video.
    Mehr ...

Meistgelesen

  • Kennzeichnung

    Lebensmittelinformations-Verordnung

    Die LMIV stellt sicher, dass die Hersteller europaweit einheitliche und klare Vorgaben zur Kennzeichnung haben und dass Verbraucher beim Lebensmittelkauf umfassend informiert werden.
    Mehr ...
  • Zusatzstoffe

    Liste der Zusatzstoffe und E-Nummern

    In diesem Artikel sind alle Zusatzstoffe mit E-Nummern aufgelistet, die Lebensmitteln zugesetzt werden dürfen.
    Mehr ...
  • Nahrungsergänzung

    Gesetzliche Regelungen für NEM

    Verbraucher können ihr jeweils passendes Nahrungsergänzungsmittel aus einer großen Vielfalt legaler, sicherer, hochwertiger Produkte auswählen. Dafür sorgen gesetzliche Regelungen. Hier die wichtigsten.
    Mehr ...
zum Lebensmittelmagazin

Noch mehr zu Lebensmitteln & Ernährung: Besuchen Sie unser Online-Magazin lebensmittelmagazin.de

Zum Magazin ...

Presse Presse

  • Pressemitteilung

    Rechtlicher Rahmen für Verwendung von reinheitsbezogenen Aussagen ausreichend

    Kommentar vom Lebensmittelverband Deutschland zu den Studienergebnisse zur Verwendung von Hinweisen wie „100 %“, „rein“ und „pur“ auf Lebensmitteln vom Projekt Lebensmittelklarheit.
    Mehr ...

Veranstaltungen Veranstaltungen

  • 11.09.2019

    6. Mediendialog Lebensmittel 2019

    „Algorithmen, Influencer & Co. – die Gesetze der digitalen Welt“. Darüber diskutieren unsere hochkarätigen Experten in zwei spannenden Diskussionsrunden.
    Mehr ...

Publikationen Publikationen

  • Nahrungsergänzungsmittel – die wichtigsten Fakten

    Nahrungsergänzungsmittel – die wichtigsten Fakten Informationen zu Nutzen, rechtlichen Vorgaben, Kennzeichnung und Sicherheit.
    Download PDF
  • Lebensmittel-Kennzeichnung verstehen

    Lebensmittel-Kennzeichnung verstehen Erklärung der Angaben auf der Verpackung (Zutaten, MHD, Menge und mehr).
    Download PDF
Facebook Twitter LinkedIn Youtube Instagram RSS-Feed