14.10.2019 | Sicherheit

Rückrufe: Wie sicher sind unsere Lebensmittel?

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Lebensmittelrückrufen
Trotz größter Sorgfalt der Lebensmittelunternehmer kommt es vor, dass Lebensmittel in den Supermarkt gelangen, die Fremdkörper enthalten oder aufgrund einer Verunreinigung gesundheitsschädlich sein können. Dann kommt es zum Rückruf. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Lebensmittelrückrufe.

Wann wird ein Lebensmittel zurückgerufen?


Der rechtliche Rahmen ist klar definiert: Wenn von einem Lebensmittel, das bereits die Verbraucher:innen erreicht hat, eine Gesundheitsgefahr ausgeht, dann muss es öffentlich zurückgerufen werden. Es liegt im eigenen Interesse der Hersteller, dass sich unter ihrer Marke keine gesundheitsschädlichen Lebensmittel in den Supermarktregalen befinden. Die Sicherheit der Verbraucher:innen geht selbstverständlich immer vor wirtschaftlichem Interesse oder Image.

Befindet sich ein nicht sicheres Lebensmittel noch nicht im Verkehr und liegt noch im Zugriffsbereich des Unternehmers, dann reicht ein Produktionsstopp aus und der Hersteller muss selbstverständlich sicherstellen, dass das Lebensmittel gar nicht erst in den Verkehr gelangt.

Wie erfährt man als Verbraucher:in von einem Rückruf?


Hersteller informieren in Absprache mit zuständigen Überwachungsbehörden über ihre eigenen Medienkanäle wie Internetseiten, Facebook oder Twitter, versenden Pressemitteilungen, die in den Print- und Onlinemedien aufgegriffen werden und auch vor Ort im Einzelhandel gibt es häufig Aushänge.

Außerdem kann sich die Öffentlichkeit auf dem Portal Lebensmittelwarnung.de des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) informieren. Seit mehreren Jahren existiert das Portal als zentrales und bundesweit einheitliches System. Hier stellen die zuständigen Behörden der Länder die Rückrufe ein unter genauer Angabe der Losnummer und des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Wie können Verbraucher:innen feststellen, ob sie ein betroffenes Produkt zu Hause haben?


Die wichtigste Angabe ist das Mindesthaltbarkeitsdatum, bei vielen Rückrufen wird zusätzlich auch auf die Losnummer (Identitätszeichen) verwiesen. Anhand dieser Angaben lassen sich Produkte genau identifizieren. Betroffene Produkte können von Kund:innen auch ohne Kassenbon zurückgegeben werden. Am besten aber dort, wo sie auch gekauft haben. Das Geld bekommen die Verbraucher:innen zurück.

Wie viele Lebensmittel werden zurückgerufen?


2013 lag die Zahl der Rückrufe, die über Lebensmittelwarnung.de eingestellt wurden, bei 75. 2018 wurden 186 Rückrufe gezählt. Die Steigerung lässt sich u. a. damit begründen, dass sich die Plattform Lebensmittelwarnung.de erst etablieren musste. 2019 gab es bis jetzt 70 Meldungen aus dem Lebensmittelbereich, das ist im Schnitt jeden dritten Tag eine Meldung.

Sind unsere Lebensmittel unsicherer geworden?


Nein, die Lebensmittel in Deutschland sind grundsätzlich sicher. Die engmaschigen Lebensmittelkontrollen der Hersteller funktionieren einwandfrei, denn durch immer bessere und feinere Analyse- und Testmethoden werden beispielsweise Verunreinigungen – auch im minimalen Bereich – gefunden und notwendige Rückrufe können schneller veranlasst werden. Generell sind die Unternehmen hier sensibler geworden und reagieren schneller und vor allem auch begleitet von mehr Öffentlichkeitsarbeit. Wurden früher Pressemitteilungen versandt und eine Verbraucher:innen-Hotline eingerichtet, werden heute zusätzlich die Social-Media-Kanäle bedient.

Gibt es Lebensmittel, die besonders anfällig sind?


Nein, denn die Gründe für Rückrufe sind unterschiedlich und nicht auf bestimmte Lebensmittelgruppen eingrenzbar. Es kann sich um Fremdkörper wie Glassplitter handeln, die während der Produktion in eine Charge gelangen. Es kann sich um Kennzeichnungsfehler handeln, die vor allem für Allergiker:innen zur Gesundheitsgefahr werden können und es kann eine mikrobielle Verunreinigung während des Herstellungsprozess stattfinden. Fehler können überall passieren, deshalb spielt es auch keine Rolle ob bio oder konventionell oder Premium- oder Preiswert-Segment.

Werden bestimmte Hersteller häufiger kontrolliert als andere?


Die Lebensmittelüberwachung in Deutschland erfolgt risikoorientiert. Dies bedeutet, dass Lebensmittelunternehmen in Abhängigkeit von ihrer Größe, der Art ihrer Produkte, ihrer bisherigen Überwachungsergebnisse und der Funktionsfähigkeit ihrer Eigenkontrollsysteme eingestuft werden. Manche Betriebe werden daher häufiger kontrolliert als andere. Produkte, auf die ein besonderes Augenmerk gelegt wird, sind zum Beispiel Schlachtereien und Fleischereien, Bäckereien, Großküchen und gastronomische Einrichtungen.

Wie funktioniert die Qualitätssicherung im Unternehmen?


Durch eine Vielzahl qualitätssichernder Maßnahmen setzt die Lebensmittelwirtschaft ihre Eigenverantwortung in der täglichen Unternehmenspraxis um. Verpflichtend ist z. B. das HACCP-Konzept (HACCP = Hazard-Analysis Critical Control Points) zur Gefahrenanalyse und Beherrschung kritischer Punkte während des gesamten Produktionsprozesses. Die bestehenden Qualitätssicherungssysteme werden aufgrund stetig wachsender rechtlicher Anforderungen sowie unternehmensinterner Vorgaben, z. B. zur Nachhaltigkeit oder zum Tierschutz ständig überprüft und angepasst. Ergänzend zur betrieblichen Eigenkontrolle unterstellen sich die Unternehmen einer weiteren zweiten Kontrolle durch privatwirtschaftliche Qualitäts- und Markenprogramme, die den Verbrauchern durch entsprechende Prüf-, Güte- und Markenzeichen kommuniziert werden (Beispiele: QS – Qualität und Sicherheit; IFS – International Featured Standards). Zusätzlich werden die Qualitäts- und Sicherheitskontrollen der Hersteller durch Vorort- und Stichprobenkontrollen der amtlichen Lebensmittelüberwachung überprüft. Sie stellen damit eine unverzichtbare ergänzende „Kontrolle der Kontrolle“ durch die amtliche Lebensmittelüberwachung dar.

Was sind stille Rücknahmen?


Sogenannte stille Rücknahmen der Ware aus dem Handel ohne Information der Öffentlichkeit, können dagegen beispielsweise bei Qualitätsabweichungen im Geschmack, Farbe, Konsistenz oder anderem erfolgen. Zum Schutz der Marke und um ihren eigenen Qualitätsanforderungen gerecht zu werden, nehmen Hersteller ihre Produkte dann zurück. Stille Rücknahmen sind also kein Instrument bei Gesundheitsgefahr.


Wie funktioniert Rückverfolgbarkeit? (Video)


Mehr zum Thema Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln gibt es in unserem Erklärvideo:

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