02.10.2017 | Zucker

Nach Wegfall der EU-Zuckerquote: Mehr Isoglukose?

Fragen und Antworten zu Isoglukose
Seit gestern ist die Zuckerquote in der EU Geschichte. Seit 1. Oktober 2017 gelten für in der EU angebaute Zuckerrüben keine Mindestpreise mehr. Auch die Handelsbeschränkungen für Isoglukose fallen weg. Was bedeutet das? Und was ist Isoglukose überhaupt?

Was ist Isoglukose?


Isoglukose (auch: Isoglucose) ist ein standardisierter Sirup, der die Einfachzucker Fruktose (Fruchtzucker) und Glukose (Traubenzucker) enthält. Je nach Mengenverhältnis von Fruktose und Glukose zueinander, spricht man auch von Fruktose-Glukose-Sirup oder von Glukose-Fruktose-Sirup. Die Ausgangsbasis ist entweder Mais- oder Weizenstärke.

Saccharose, der „normale“ Haushaltszucker, ist ein Zweifachzucker und besteht ebenfalls aus Fruktose und Glukose, wird jedoch aus der Zuckerrübe gewonnen.

Welche gesundheitlichen Eigenschaften hat Isoglukose?


Einfach-, Zweifach- und Mehrfachzucker sind Kohlenhydrate und haben pro Gramm einen Energiegehalt von 4 Kilokalorien. Kohlenhydrate dienen dem Körper als Energiequelle für den Stoffwechsel. Dabei ist es wichtig, auf ein gesundes Maß zu achten. So empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. zwar täglich mehr als 50 Prozent der Nahrungsenergie durch Kohlenhydrate aufzunehmen, die Aufnahme zugesetzter Zucker wie Saccharose sollte jedoch nur einen moderaten Teil ausmachen.

  • Glukose ist z. B. einer der am schnellsten verfügbaren Energielieferanten für Blut, Gehirn und Muskeln. Allein das Gehirn eines Erwachsenen benötigt etwa 140 g Glukose pro Tag.
  • Fruktose kommt in vielen Lebensmitteln natürlicherweise vor, beispielsweise – wie der Name schon sagt – in Obst, aber auch in zahlreichen Gemüsesorten oder Honig. Allein schon deshalb ist Fruktose auch in zahlreichen verarbeiteten Produkten enthalten.

Fruktose, und damit auch die Isoglukose, soll – so liest man stellenweise – für die Entstehung von Übergewicht verantwortlich sein. Ein Zusammenhang zwischen der Fruktosezufuhr, wie sie über eine normale, ausgewogene Ernährung erfolgt, und gesundheitlichen Effekten wie Übergewicht ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt. Zu dieser Feststellung gelangten sowohl Professor Dr. Hans Hauner (1) mit seiner umfassenden Bewertung des Forschungsstands als auch Professor J.L. Sievenpiper (2) mit seiner Meta-Analyse aus dem Jahr 2012 von 41 Interventionsstudien.

Fakt ist, für die Entstehung von Übergewicht können nicht einzelne Lebensmittel oder einzelne Nährstoffe wie Fruktose verantwortlich gemacht werden. Wichtig stattdessen ist ein insgesamt gesunder Lebensstil, der sich durch eine abwechslungsreiche Ernährung, regelmäßige Bewegung und Entspannung auszeichnet.

Warum verwendet man Isoglukose?


Grundsätzlich unterscheiden sich verschiedene Zuckerarten wie Saccharose, Glukose oder Fruktose in ihrem molekularen Aufbau und daher in ihren Eigenschaften, z. B. hinsichtlich ihres Geschmacks, ihrer Süßkraft und in ihren Koch- und Backeigenschaften. Fruktose zeichnet sich beispielsweise durch die höchste Löslichkeit und Süßkraft aller Zucker aus und kann zudem mehr (Luft-)Feuchtigkeit aufnehmen. Je höher der Fruktoseanteil der Isoglukose ausfällt, desto süßer und ergiebiger ist demnach der Sirup.

Wie erkenne ich, ob Isoglukose im Lebensmittel enthalten ist?


Die Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) schreibt vor, dass europaweit auf allen verpackten Lebensmitteln ein Zutatenverzeichnis aufgedruckt ist. In der Zutatenliste sind alle Inhaltsstoffe des Lebensmittels in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils angegeben. Egal ob Fruktose, Fruktose-Glukose-Sirup oder Glukose-Fruktose-Sirup enthalten ist – es steht im Zutatenverzeichnis. Das Wort „Zucker“ wird dort übrigens ausschließlich für die „Saccharose“ verwendet.

Wird nach dem Ende der Zuckerquote mehr Isoglukose in Lebensmitteln verwendet?


Das lässt sich nur schwer beantworten. Die Nachfrage nach Saccharose und Isoglukose reagiert laut Thünen-Institut grundsätzlich unelastisch, d. h. die Nachfrage wird von Preisänderungen nur wenig beeinflusst.

Das Institut ist der Frage, was nach dem Ende der Zuckerquote passiert, in dem Projekt „Modellierung der Auswirkungen einer Abschaffung der EU-Quotenregelung zum Zuckerwirtschaftsjahr 2017/18 auf die Zuckermärkte in Deutschland, der EU und ihrer Mitgliedsstaaten sowie der Welt“ nachgegangen. Weitere Informationen zum Projekt und den Ergebnissen sind unter folgendem Link verfügbar:


Einzelnachweise
(1) Hauner, Hans: Fructosezufuhr als Ursache von Übergewicht nicht belegt. In: Moderne Ernährung heute. Wissenschaftlicher Pressedienst 2/2009, Hrsg. R. Matissek, Lebensmittelchemisches Institut (LCI) des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie, Köln
(2) Sievenpiper J.L. et al.: Effect of fructose on body weight in controlled feeding trials. A systematic review and meta-analysis. Ann Intern Med. 2012; 156: 291-304

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