Studie zu GLP-1-Medikamenten

Ändert sich das Einkaufsverhalten durch die Abnehmspritze?

- Menschen, die sogenannte GLP-1-Rezeptoragonisten zur Behandlung von Adipositas oder Typ-2-Diabetes nutzen, verändern offenbar moderat ihr Einkaufsverhalten. Das zeigt eine aktuelle Studie aus Dänemark, die im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht wurde.
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Die Forschenden analysierten mehr als 1,9 Millionen Supermarkteinkäufe von über 1.100 Verbraucherinnen und Verbrauchern. Untersucht wurde, wie sich die Zusammensetzung der gekauften Lebensmittel nach Beginn einer GLP-1-Therapie verändert.

Weniger Zucker, Fett und energiedichte Produkte

Nach Beginn der Behandlung kauften die Teilnehmenden im Durchschnitt Lebensmittel mit geringerer Energiedichte. Gleichzeitig gingen Zucker-, Kohlenhydrat- und gesättigte Fettanteile leicht zurück. Der Proteingehalt der gekauften Produkte stieg dagegen moderat an. Konkret sank der durchschnittliche Energiegehalt der Einkäufe jedoch nur von 209,4 auf 207,3 Kilokalorien pro 100 Gramm. 

Die Forschenden sehen darin Hinweise darauf, dass GLP-1-Medikamente nicht nur den Appetit beeinflussen, sondern auch die Auswahl von Lebensmitteln verändern können.

Veränderungen bei stärker verarbeiteten Produkten

Die Studie beobachtete zudem einen leichten Rückgang des Anteils sogenannter hochverarbeiteter Lebensmittel an den Einkäufen sowie einen Anstieg bei unverarbeiteten oder gering verarbeiteten Produkten. Grundlage dafür ist die sogenannte NOVA-Klassifikation.

Die Aussagekraft solcher Einteilungen wird allerdings wissenschaftlich kontrovers diskutiert. Denn der Grad der Verarbeitung allein sagt wenig über die ernährungsphysiologische Qualität eines Lebensmittels aus. Verarbeitung ist vielmehr eine wesentliche Voraussetzung für Lebensmittelsicherheit, Haltbarkeit, Verfügbarkeit und Vielfalt von Lebensmitteln. Der Lebensmittelverband Deutschland weist deshalb darauf hin, dass Lebensmittel nicht pauschal anhand ihres Verarbeitungsgrades bewertet werden sollten. Weitere Informationen dazu finden sich hier:

https://www.lebensmittelverband.de/de/lebensmittel/verarbeitung

Mögliche Auswirkungen auf den Lebensmittelmarkt

Die Autorinnen und Autoren der Studie betonen, dass die beobachteten Veränderungen auf individueller Ebene zwar eher moderat seien, sich angesichts der zunehmenden Verbreitung von GLP-1-Präparaten jedoch auch auf den Lebensmittelmarkt auswirken könnten.

International wird bereits diskutiert, wie Medikamente wie Ozempic oder Wegovy langfristig Konsumverhalten, Portionsgrößen und Produktentwicklungen beeinflussen könnten.

Studie mit Einschränkungen

Die Forschenden weisen zugleich auf mehrere Einschränkungen der Untersuchung hin. Die Teilnehmenden waren freiwillige Nutzerinnen und Nutzer einer App zur Erfassung von Einkaufsbelegen und damit keine repräsentative Bevölkerungsstichprobe. Zudem lagen keine Informationen zum Body-Mass-Index vor. Außerdem – und das ist entscheidend – untersucht die Studie ausschließlich Einkaufsdaten und nicht den tatsächlichen Lebensmittelverzehr.

Mehr über die Wirkung und Vor- und Nachteile der GLP-1-Medikamente kann man in der aktuellen Folge des Podcast „ErnährungPlus“ zur „Abnehmspritze“ mit Adipositasforscher Prof. Dr. Arya M. Sharma nachhören: https://open.spotify.com/episode/1ICVchzl6lBJXi3XvidOPW

Quelle:

Sørensen KK et al.: Consumer Food Purchases After Glucagon-Like Peptide-1 Receptor Agonist Initiation, JAMA Network Open, 2026.