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05.11.2013 | Zucker

ZDF Zoom: Dokumentation zu Zucker – der BLL kommentiert mit

ZDF Zoom dreht zurzeit eine Dokumentation zum Thema Zucker. Auch BLL-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff wird darin zu Wort kommen. Der Ausstrahlungstermin ist der 18. Dezember 2013. Aber bereits vorher postet das ZDF Beiträge zur Entstehungsgeschichte der Dokumentation (http://zdfzoom.tumblr.com/tagged/zucker).

Klar, dass wir das nicht unkommentiert lassen können:

1. „Junk Food en masse“ – und trotzdem 700 Gramm abgenommen!


ZDF Zoom schreibt über den Selbstversuch von Redakteurin Nina. Sie habe in den USA "ordentlich Junk Food gefuttert". Sie gibt aber auch zu, dass sie viel unterwegs gesewesen sei und der Dreh anstrengend war. Das habe dazu geführt, dass sie viel mehr Kalorien verbraucht habe als angenommen. Die Untersuchung im Deutschen Diabetes-Zentrum habe gezeigt, dass sie zwar ungesund gegessen habe, aber 700 Gramm weniger auf die Waage bringt. Das Urteil der Ärzte lautete deshalb: "Wir fangen noch einmal von vorne an mit dem Zucker-Experiment".

Wir meinen: Es ist schon fast ein Witz, wie das Autorenteam hier versucht, den Zuschauer zu veräppeln. Redakteurin Nina hat ihren zweiwöchigen Selbsttest gemacht (übrigens – Super Size me lässt grüßen! Fällt dem ZDF nichts besseres ein, als einen fast zehn Jahre alten Film zu kopieren?) und laut eigener Aussage viel Fett und Zucker zu sich genommen. Und trotzdem hat sie 700 Gramm abgenommen. Warum? Weil sie sich ausreichend bewegt hat! Wer hätte das gedacht, Nina hat eindrucksvoll den Beweis für eine ganz einfache Formel erbracht: Übergewicht ist die Folge eines Ungleichgewichts von Kalorienaufnahme und Kalorienverbrauch. Eine wichtige Ursache für Übergewicht ist Bewegungsmangel. Und da Nina sich körperlich betätigt hat, hat sie nicht zu- sondern sogar abgenommen. Wie sollte also die Schlussfolgerung aus diesem Selbsttest lauten? Wer sich ausreichend bewegt, darf auch mal einen Schokoriegel mehr essen. Aber das sieht das ZDF wohl anders. Nina muss den Test wiederholen und darf sich nicht mehr so viel bewegen, damit sie auch schön an Gewicht zulegt. So kann man "Studien" natürlich auch verfälschen.

2. Paradebeispiel für den Nanny-State: Forderung nach kleineren Getränkebecher-Größen


ZDF Zoom schreibt über Getränkebechergrößen in den USA, dass zwei Liter Softdrinks zum Straßenbild dazu gehören würden und dass sich verschiedene Initiativen dafür einsetzen, dass Softdrinks nur noch in kleineren Mengen verkauft werden dürfen, z. B. das Center for Science in the Public Interest.

Wir meinen: Eine Größenbegrenzung von Getränkebechern ist kein hilfreicher Lösungsansatz für die Bekämpfung von Übergewicht, sondern reiner Populismus. Diese Regulierungsmaßnahme wäre eine staatliche Bevormundung, die in keiner Weise dazu beitragen würde, dass sich das Ernährungsverhalten und der Lebensstil insgesamt ändern. Diejenigen, die mehr trinken mögen, können immer noch zwei Becher kaufen. Wo ist da also der Sinn? Für die Prävention von Übergewicht bedarf es vielmehr der nachhaltigen Vermittlung von Ernährungskompetenz und der Förderung von Bewegungsangeboten.

Übrigens, das "Center for Science in the Public Interest" als Beispiel heranzuziehen, hat denselben Stellenwert, als würde man in hierzulande eine Forderung von Foodwatch unterstützen – die wissenschaftliche Expertise beider Organisationen hat ungefähr denselben niedrigen Level.

3. Robert Lustig – der Zuckerhasser


ZDF Zoom schreibt über die Thesen von Robert Lustig, wonach sich in unserem Essverhalten acht Dinge geändert haben: „Auf der einen Seite essen wir weniger Ballaststoffe, Omega 3-Fettsäuren und Spurenelemente. Auf der anderen Seite haben fünf Stoffe in unserer Ernährung stark zugenommen: ungesättigte Fettsäuren (Transfette), Omega 6-Fettsäuren, verzweigtkettige Aminosäuren, die zum Beispiel aus Fleisch und Fisch kommen, Alkohol und …. Zucker! All diese Veränderungen sind wichtig. Aber Zucker ist das Mittel, das die Industrie bewusst einsetzt, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen.“ Das ZDF fragt sich, ob Zucker also den Produkten zugesetzt werde, damit Verbraucher mehr kaufen.

Wir meinen: Es ist schon erstaunlich, dass hier pauschale Aussagen von Herrn Prof. Robert Lustig übernommen werden, ohne dass diese redaktionell kritisch hinterfragt werden. So drängt sich unmittelbar die Frage auf, ob und inwieweit seine Aussagen überhaupt auf Deutschland übertragbar sind, denn Prof. Lustig konzentriert sich hauptsächlich auf die Verhältnisse in den USA. So bewegen sich z. B. die Absatzzahlen für Zucker in Deutschland seit über 40 Jahren auf einem konstanten Niveau von 35 kg pro Kopf und Jahr. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass der tatsächliche Verzehr von Zucker und zuckerhaltigen Lebensmitteln deutlich unter dieser Absatzzahl liegt. Wie der aktuelle Ernährungsbericht der DGE 2012 betont, sind Absatzzahlen nicht mit Verzehrdaten gleichzusetzen.

Außerdem wird Zucker seit jeher als Lebensmittelzutat eingesetzt – und zwar nicht nur bei der industriellen Produktion sondern auch zuhause beim Selbstkochen. "Omas berühmte Prise Zucker" war und ist beim "Selberkochen" völlig normal. Zucker wird dabei nicht nur zum Süßen verwendet, er hat auch vielfältige weitere Funktion in Lebensmitteln. So dient Zucker z. B. zur Abrundung des Geschmacks und erfüllt in verschiedenen Lebensmitteln wichtige konservierende Funktionen.

Humor


Ein sehenswerten und amüsanten Beitrag zum Thema Zucker kann man sich auf dem erfolgreichen deutschen Blog „Der Postillon“ anschauen. Unter dem Titel „Studie: Zucker enthält zu viel Zucker“ hat sich die Redaktion im September 2011 in ihrer eigenen Art und Weise mit den einschlägigen Foodwatch-Kampagnen auseinandergesetzt.
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